Vor seiner verordneten Pause war der elektrische Smart bereits der beliebteste Mietstromer in der Hotellerie. Mit dem „fortwo“ mitsamt seiner Cabrio-Variante und dem „forfour“ brachte die Daimlertochter bei Ihrem Comeback gleich drei electric drive („EQ“) Modelle an den Start. Mit diesem erweiterten Angebot stehen die Chancen grundsätzlich gut, an frühere Erfolge in der Gastgewerbebranche anknüpfen zu können. Wir haben den Neuling in der e-Modellpalette, den Viersitzer „forfour EQ“, unter die Lupe genommen, und dabei speziell auch auf seine Tauglichkeit für die Vermietung an Gäste geachtet.

smart
Nettes Gestaltungselement: Anzeige für Energiefluss und Ladestand

Groß war die Verwunderung, als  Smart vor zwei Jahren – aus produktionstechnischen Gründen – seinem kleinen Stromflitzer unvermittelt den Stecker gezogen hatte und vom Markt nahm. Egal, nun ist er jedenfalls zurück und sogar Smartkunden, die es gerne geräumiger haben möchten, kommen mit dem elektrisierten „Forfour“ jetzt ebenfalls in den Genuss flotter Beschleunigung und entspannten Dahingleitens. Was aber bringt der ed-Neustart außer einer Erweiterung des Angebots und dem neuen Kürzel „EQ“? Soviel vorweg: wer sich technische Quantensprünge erwartet hatte, wird wohl eher enttäuscht sein. So frönen die Schwaben keineswegs dem allseits angesagten Reichweiten-Fetischismus und bepacken ihre Stromer eben nicht mit deutlich größeren Akkus. Eine Strategie, die weniger dem begrenzten Platz für die Speicher geschuldet, sondern wohl überlegt ist. Denn selbst beim größeren Viertürer widersteht man der Versuchung, ihm eine höhere Range als 155, real etwa 120 km, zu spendieren. Dies hält die Kosten, den Ressourcen-Verbrauch, sowie das Fahrzeuggewicht im Rahmen. Und was das Wichtigste ist: es genügt den Anforderungen in den anvisierten Einsatzgebieten. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass hierzulande über 10 Millionen verbrennungsmotorische Zweit- und Drittwagen, die nie mehr als 100 Kilometer am Stück zurück legen, ihrer Ablösung durch Elektroautos harren. Derweil wird die mediale, politische und gesellschaftliche Diskussion von Statements dominiert, die die Dynamisierung des e-mobilen Marktes bei Reichweiten ab 500 Kilometern prophezeien… „Future Mobility“ zu propagieren fällt halt irgendwie leichter, als die realen Chancen der aktuell bereits praktikablen E-Mobilitäts-Lösungen zu nutzen.

Doch zurück zum forfour EQ:

Annäherung
Der erste Eindruck beim Entern des smarten Stromers: Die Sitze gehören eher zu den strafferen, sind dabei aber nicht unbequem. Materialien und Formen kommen markentypisch mit gewissen Akzenten vom Allianz-Partner Renault und sind letztlich Geschmacksache. Bei Instrumenten und Anzeigen beschränkt man sich auf das Wesentliche und sieht von größeren Verspieltheiten ab. So lassen sich Audiolautstärke und Tempomat bequem über das Lenkrad regeln und auch die Display-Infos können über eine dort angebrachte Taste aufgerufen werden. Einzig die außerhalb des frontalen Blickfeldes platzierte, kugelförmige Anzeigenarmatur für Energiefluss und Ladestand dient wohl mehr als Gestaltungselement, als dass sie einen funktionalen Sinn hätte. Zumal dieselben Informationen auch über das Display aufgerufen werden können. Und zwar ohne dabei nach links schielen zu müssen…

EQ fourfour
Schon der Vorgänger der aktuellen EQ-Modelle erfreute sich in der Hotellerie großer Beliebtheit.

Fahren
Witziger Anachronismus: das Auto wird nach alter Väter-Manier mit einem klassischen Zündschlüssel-Dreh gestartet. Drückt man sodann die Eco-Taste, lassen sich – per Drehmoment- Begrenzung – etwa 15 Kilometer mehr Reichweite als im Normalfahrmodus generieren, so dass wir bei vergleichsweise milden Temperaturen, ausgeschalteten Aggregaten und relaxter Fahrweise auf eine reale Range von 130 Kilometern kamen. Apropos Fahrweise: wem doch mal die Gäule durchgehen sollten und wer es unbedingt darauf anlegen möchte, den Ampelnachbarn mit feinstem Imponiergehabe zu überraschen, wird seine wahre Freude haben. Der kräftige, getriebelose, 60 Kilowatt leistende Drehstrom-Synchronmotor im Heck legt im Normalmodus nämlich mit viel Temperament los. Der forfour EQ imponiert jedoch nicht allein durch sein agiles Fahrverhalten und eine gute Straßenlage, sondern ist zudem für einen Viersitzer auch noch erstaunlich handlich. Mit einem Wendekreis von nur 8,65 Metern setzt er ein echtes Zeichen in seiner Klasse.

Den Grad der Energierückspeisung kann, besser muss, man nicht selbst wählen, da Sensoren dafür sorgen, dass automatisch eine der jeweiligen Fahrsituation angemessene Rekuperationsstärke gewählt wird. Ein nützliches Feature.

Auch erfreulich: anstatt sich in die Reichweitenschlacht zu begeben, hat man sich bei Smart lieber darauf konzentriert, die Ladezeiten zu verkürzen, was speziell auch im Verleihbetrieb von Vorteil ist. So dauert eine Vollladung an der Wallbox nur drei Stunden und demnächst ist sogar ein 22 KW-Schnelllader erhältlich, der den 17,6 Kilowattstunden fassenden Lithium-Ionen Akku in knapp 45 Minuten zu 80 Prozent „betankt“.

Für und Wider
Der größere Smartstromer macht mit seiner Unkompliziertheit und seinen überzeugenden Fahreigenschaften richtig Spaß. Und was steht auf der Negativseite? Klar, auf längeren Fahrten fällt die relative Beengtheit in der zweiten Sitzreihe ins Gewicht und auch das ziemlich straffe Fahrwerk mag nicht jedem zusagen. Dies kann jedoch den durchwegs positiven Gesamteindruck kaum schmälern, zumal der elektrische Forfour in der Regel nicht über lange Distanzen bewegt wird.

Gewisse  Mängel lassen sich allenfalls im Detail entdecken. So hätte man etwa der Laderaumabdeckung ruhig zwei Arretierungsstifte mit entsprechender Nut spendieren können. Ohne diese wird der Sichtschutz nämlich von jedem, auch nur leicht nach oben überstehenden, Gegenstand aus der – eigentlich nicht vorhandenen – Verankerung gelöst. In unserem Fall war es allein das Ladekabel, das mehrmals für eine komplette Sichtblende vor der Heckscheibe sorgte.

Hoteleignung
Die Frage, ob sich der größere Elektrosmart als Mietwagen für Gäste und Betriebsfahrzeug eignet, lässt sich mit einem Wort beantworten: unbedingt. Zwar wird der Forfour EQ vom Hersteller bewusst als Citycar propagiert, aber die über 100 Kilometer Reichweite reichen allemal aus für einen Erkundungstrip in der Urlaubsregion. Und da vermutlich die wenigsten Gäste dabei den ganzen Tag im Auto verbringen möchten, bietet sich hier geradezu an, zwischendurch bei Kaffee und Kuchen oder einem Museumsbesuch ein Häppchen Strom aufzunehmen.

Vorteile für das Gastgewerbe
Neben den beschriebenen Produktvorteilen ergeben sich noch weitere Benefits bei der Vermietung an Gäste:


  • Dank Eye Catcher Charakter gut geeignet als mobiler (Eigen-)Werbeträger
  • Schnelle Vertrautheit, leichte Bedienbarkeit, geringer Erklärungsbedarf
  • Großer Gepäckraum bei umgeklappten Sitzen (z.B. zum Transport von Sportgeräten)
  • Kurze Ladezeiten
  • Durch relativ geringe Reichweite eingeschränkter Bewegungsradius → die Wertschöpfung bleibt in der Tourismusregion
  • Akzeptabler Preis von unter 20.000 Euro (nach Abzug Umweltprämie)

Die Preise für den größeren Smartstromer beginnen bei 22.600 Euro, abzüglich 4.000 Euro Umweltbonus. Bleibt nur zu wünschen, dass Smart auf die große Nachfrage nach ihren EQ-Modellen reagiert und seinen Kunden nicht mehr länger Wartezeiten von einem halben Jahr und mehr zumutet.

Text: Peter Grett
Bilder: Aufmacher u. Bild 2: smart, Bild 1: Hotel Bürkle

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Peter Grett
Peter Grett beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich mit allen Fragen der Elektromobilität. Nach dem Studium der Pädagogik und (Wirtschafts-)Psychologie bereits Mitte der 90er Jahre als Geschäftsführer eines E-Fahrzeug-Entwicklungsunternehmens tätig, gehört er zu den eMobility-Pionieren in Deutschland. Der Mitbegründer des Bundesverbands eMobilität blieb als Marketingleiter und Berater verschiedener Elektrofahrzeug-Unternehmen, später als Chefredakteur, freier Journalist und Autor dem Thema bis heute treu. Peter Grett ist mittlerweile ein international gefragter Experte und Referent für die Implementierung der Elektromobilität im touristischen Umfeld.

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