Auf dem Parkplatz herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die Bandbreite der E-Fahrzeuge reicht von der flotten Sportlimousine bis zum Kleinwagen. Einen Steinwurf entfernt von der Autobahn A10 im Salzburger Land hat sich ein schmuckes kleines Hotel zu einem Mekka der Elektromobilität entwickelt. Tesla-Fahrer kennen das „Hotel Kaiserhof“ in Anif bei Salzburg schon seit acht Jahren. Damals installierte die kalifornische Edelmarke auf Betreiben von Hotelchef Richard Absenger ihre ersten Supercharger im Raum Salzburg ausgerechnet auf seinem Hotelparkplatz. Wie aber konnte sich ein unspektakuläres Hotel in einem Vorort der Mozart-Metropole zu einem Trendsetter mausern, der international bekannt ist und dessen Direktor als gefragter Experte inzwischen von Vortrag zu Vortrag reist?

Fünf Tesla Supercharger stehen auf dem Hotelparkplatz
Insgesamt zehn Tesla Supercharger stehen demnächst auf dem Hotelparkplatz

Ein Hotelier steht „unter Strom”
Richard Absenger ist ein echter Vordenker und -macher, er beschränkt sich nicht auf punktuelle Einzelmaßnahmen, er hat das große Ganze im Auge. Speziell, was Nachhaltigkeit und die Ansprüche seiner, insbesondere der e-mobilen, Gäste betrifft. So sorgt auf dem Dach des Hotels eine hochmoderne Solar-Anlage für die Stromversorgung des Anwesens, ergänzt durch einen Solar-Carport und einen stationären Energiespeicher. Auf dem Parkplatz am Eingang des Salzachtals laden an unterschiedlichen Chargern zahlreiche Elektroautos. Die ganze Bandbreite an Ladeleistungen und Steckern ist abgedeckt. An der Rezeption befindet sich ein Display, auf dem der Energieertrag der Solaranlage angezeigt wird. Und – kurios, aber durchaus kein Witz: selbst auf der Toilette erhält der Gast via auf Augenhöhe angebrachter Texttafeln kompakte Informationshäppchen zum Thema Elektromobilität, als kleiner Aufklärungskurs nebenbei. Der komplette Betrieb ist optimal auf die Bedürfnisse des elektromobil Reisenden eingestellt – dabei bietet der „Kaiserhof“ zugleich den gemütlichen und heimeligen Charme eines typischen Alpengasthofes. Seinen internationalen Ruf hat sich Richard Absenger in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgebaut, denn er war bei neuen technischen Entwicklungen bei den Elektrofahrzeugen oder der Ladeinfrastruktur immer vorne mit dabei.

Auf E-Mobilität ausgerichtetes Marketing
Absenger hat sein Marketing auf das Thema Elektromobilität getrimmt. Das wird schon beim Blick auf die Homepage des Hotels klar, denn der Blick des Betrachters fällt auf die Frontpartie eines Telsa Model S. Damit wird schon Neugierde geweckt auf das breite Angebotsspektrum der hauseigenen Vermietung von Elektro-Autos. Bei der Hälfte der Arrangements und Pakete ist die Nutzung von Elektrofahrzeugen integriert. Mit verlockenden Überschriften wie „TESLA E-Motion“ oder „Triple-E“ wird dem potentiellen Gast der Mund wässrig gemacht. „Tesla ist ein optimaler Werbeträger – wir bekommen dadurch ganz neue Interessenten und erschließen andere Zielgruppen“, erklärt Absenger. Der „Kaiserhof“ vermietet derzeit zwei Tesla Fahrzeuge, einen e-Smart und einen renault ZOE – im Jahr 2019 wird ein dritter Tesla hinzukommen. Die Auslastung der Mietfahrzeuge ist mehr als erfreulich – die Nutzung erfolgt aus purer Neugier, als Hochzeits-Limousine, von ökologisch denkenden Geschäftsreisenden, die das Fahrzeug am nahe gelegenen Flughafen übernehmen oder für eine kleine Spritztour der Gäste in die Umgebung. Immer wieder kommen auch Gäste zu ihm, die ein Elektroauto länger testen wollen als die sonst übliche Probe-Stunde im Autohaus. Logisch, dass Absenger die Nutzung der Fahrzeuge in verschiedene Übernachtungspakete integriert. Mit seinen inzwischen vier Elektroautos – vom Smart über den Renault Zoe bis zu den beiden Teslas, aber auch E-Bikes und E-Rollern – hat er in der Region ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

Übrigens nutzen auch die Mitarbeiter des Hotels das Angebot, firmeneigene Elektrofahrzeuge auch privat einzusetzen – und haben eine Menge Spaß dabei.

Der Kaiserhof mit seinem stimmigen und glaubwürdigen Eco-Gesamtkonzept ist seit kurzem der Hotelkooperation Sleep Green Hotels (www.sleepgreenhotels.com/) beigetreten. Ein weiterer konsequenter Schritt in der ausgefeilten Marketingstrategie seines Chefs.

Marketing 1: originelle Angabe der verfügbaren Ladeleistungen und -anschlüsse
Marketing 1: originelle Angabe der verfügbaren Ladeleistungen und -anschlüsse

Elektro ist kein Selbstläufer
Der Erfolg kommt aber nicht von selbst – schon gar nicht durch das bloße Aufstellen von Stromtankstellen. Das wäre viel zu kurz gedacht. Richard Absenger ist im Hauptberuf immer noch Gastwirt und Hotelier. Der „Kaiserhof“ ist ein typisches City-Hotel in unmittelbarer Nähe von Salzburg mit einer breiten Kundenschicht von Städtetouristen über Geschäftsreisende und Messegäste bis zu klassischen Urlaubern. Das ist immer noch das Kerngeschäft des „Kaiserhof“ und wird es langfristig bleiben – das Leistungsangebot um die Elektromobilität ist eine wichtige Ergänzung, ein Marketing-Tool und eine Investition in die Zukunft. „Wir heben uns mit unserem elektromobilen Angebot schon von unseren regionalen Mitbewerbern an“, gibt Absenger ganz sachlich zu.

Im Hotelgeschäft mit seinen jährlich 15.000 Übernachtungen machen die „Elektromobilisten“ noch eine eher kleinere Gruppe – aber mit steigender Tendenz – aus. Bei der Tagesgastronomie sind sie aber bereits ein bedeutender Faktor. „Wir haben Tage, da stammen fast 80 Prozent unseres Gastronomie-Umsatzes von Fahrern von Elektrofahrzeugen, die parallel Ihren Wagen aufladen“, erklärt der aus der Steiermark stammende Chef des Hauses. Diese Zielgruppe erwartet dann aber auch ein entsprechendes Leistungsniveau in der Gastronomie.  Der Kaiserhof bietet eine regionale Küche mit steirischem Einschlag, Bio-Produkte und einen professionellen Service. „Wenn sich jemand einen Wagen für hunderttausend Euro leisten kann, dann muss ich im Restaurant eine Schippe drauflegen“, so Absenger weiter.

Tesla war die Gezeitenwende in der Mobilität
„Warum verbrennen wir eigentlich noch Benzin?“ fragte sich Absenger in der Vergangenheit immer wieder. Der schonende Umgang mit Ressourcen, die Vermeidung von Abfall und die Nutzung alternativer Energien hatten für ihn immer höchste Priorität. Aber die Anforderungen eines Hotelmanagers an ein vollwertiges Fahrzeug konnten Elektroautos lange nicht erfüllen – schon gar nicht, wenn es um Beschleunigung, Reichweite und Geschwindigkeit geht. Als im Jahr 2003 Tesla als neuer Fahrzeughersteller auf die Bühne trat, änderte sich für Absenger alles. Vor nunmehr zehn Jahren fuhr er erstmals einen Tesla Roadster Probe und ab diesem Zeitpunkt stand das Thema Elektrofahrzeug ganz oben auf seiner Prioritätenliste. „Ich habe mir bald danach ein Model S bestellt, denn die Kombination aus gewaltigem Fahrspaß, guter Reichweite und einem durchdachten System mit Ladestationen hat mich überzeugt. Zusammengefasst kann man sagen: Ein Tesla ist schneller als ein Porsche, geräumiger als mancher Kombi und gut für die Umwelt.“, so Absenger.

Marketing 2: Ein niederländisches Unternehmen baut Camping-Mobile auf Basis des Nissan eNV 200 – Richard Absenger nimmt die Idee proaktiv auf
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Ladestationen erfordern eine Menge Know how
Der Entschluss zum Bau von Ladestationen für Elektrofahrzeuge auf dem Hotelparkplatz war schnell gefasst. Aber die Sache hörte sich auf den ersten Blick einfacher an, als die Durchführung letztendlich war. „Vor ein paar Jahren waren Ladestationen sehr teuer und die technischen Anforderungen höchst anspruchsvoll“, erinnert sich Absenger.

Wie wichtig die technischen Parameter sind, erlebte Absenger am eigenen Leib, als er zusammen mit einigen Teilnehmern einer Tour mit Elektrofahrzeugen beim Aufladen in der Tiefgarage ein komplettes Hotel elektrisch lahmlegte. „Es herrscht immer noch große Unwissenheit in der Hotellerie über die technischen Anforderungen beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur“, erklärt er.

Er selbst macht bei seiner Installation keine halben Sachen und legte die Ladeinfrastruktur gleich für zehn Abnahmestellen aus. Eine wegweisende Entscheidung für die Zukunft des „Kaiserhof“, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Mit der Fertigstellung der ersten Tesla-„Supercharger“ im Jahr 2014 erschien der „Kaiserhof“ erstmals auf der internationalen Landkarte der Elektromobilität. Auf diese Weise erschloss sich dem Hotel eine neue und zahlungskräftige Klientel. Heute erfolgen täglich 50 und mehr Ladevorgänge auf dem Parkplatz des Hotels. Durch Gäste, die früher vermutlich nicht den Weg zum „Kaiserhof“ gefunden hätten. Im November 2018 wird die Supercharger-Station, übrigens zum zweiten Mal, erweitert. Zehn Ladepunkte stehen dann für eilige Teslafahrer zur Verfügung.

Umweltfreundlicher Strom aus dem eigenen Kraftwerk
Hotelchef Absenger ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat dabei gelernt, mit der Natur in Einklang zu leben. Das ist auch unter seiner Führung beim „Kaiserhof“ so. Hier wird langfristig und ökologisch gedacht und gehandelt. Absenger mag das Modewort „nachhaltig“ nicht – letztendlich lebt und arbeitet er aber so.

Mit dieser Vorgehensweise plante er auch die Energieversorgung des Hotels neu. Dabei hatte er zwei Ziele vor Augen: Seine Elektrofahrzeuge sollten „Naturstrom“ tanken und mittelfristig möchte Absenger unabhängig von der öffentlichen Stromversorgung werden. Sein erstes Ziel hat er bereits erreicht und die Unabhängigkeit von der öffentlichen Stromversorgung könnte im nächsten Jahr bereits Realität werden. Moderne Sonnenkollektoren auf dem Dach und ein effektiver Stromspeicher machen das möglich. Die Anlage ist so ausgelegt, dass sie dynamisch auf die Belastungsspitzen Mittags und am Abend reagieren kann. In den Zeiten mit schwächerer Nutzung wird der Stromspeicher aufgefüllt. Ein Blick aufs Handy ermöglicht Absenger kontinuierlich Informationen über die aktuelle Leistung der Anlage und den momentanen Energieverbrauch.

Bei allen Themen im „Kaiserhof“ denkt Absenger regional, achtet konsequent auf Müllvermeidung und sucht langfristige Lösungen. So auch bei den aktuell laufenden Renovierungsarbeiten in den Zimmern. Statt auf die übliche Teppich-Verlegeware setzt er auf massive Naturholz-Böden und regionale Produzenten. „Die Böden halten mehr als 30 Jahre, ich produziere weniger Müll und wir haben dafür heimische Materialien verwendet“, erklärt Absenger sein Konzept. Diese Herangehensweise mag nicht die billigste Lösung sein – langfristig zahlt sie sich aber aus.

Richard Absenger ist zweifellos eine Leitfigur bei der Implementierung e-mobiler Technik in touristische Angebote, was Begeisterung und Eigeninitiative angeht. Aber er zeigt auch auf, welche Mittel man wie einsetzen muss, um damit zu reüssieren. Nicht alles ist übertragbar, der Kaiserhof ist mit seiner zentralen Lage an einem internationalen Verkehrs-Drehkreuz in einer besonders bevorzugten Position, die nicht jeder Hotelier bei sich vorfindet. Aber Absenger zeigt, wie man die jeweiligen Gegebenheiten für sich in Vorteile verwandelt und er zeigt auch, dass es sich jeweils um ein Gesamtkonzept drehen muss, aus Engagement, abgestimmtem Marketing und einer „nachhaltigen“ Grundeinstellung. E-Mobilität, die sich darin erschöpft, in der Tiefgarage eine Wallbox zu installieren, geht als Geschäftsmodell nicht auf – zumindest heute noch nicht.

Der Kaiserhof bietet ein breites Spektrum an Lademöglichkeiten

Der Kaiserhof bietet ein breites Spektrum an Lademöglichkeiten

Originelle wie zielgerichtete Wissensvermittlung – E-Mobilitäts-Argumente auf Augenhöhe

Erfolgsfaktoren bei der Vermarktung e-mobiler
Gästeangebote am Beispiel Kaiserhof

  • Offensives und professionelles Marketing unter Verwendung moderner und kreativer Kommunikations-Tools
  • Einbeziehung von social-media Plattformen zur „viralen“ Verbreitung eigener Angebote
  • Verschiedene Arrangements unterschiedlicher Preissegmente rund um das Thema in das Angebot integrieren
  • Eigene Ladestationen in entsprechende Verzeichnisse eintragen lassen
  • Fahrzeuge und Ladeeinrichtungen optisch auffällig inszenieren
  • Die Fahrzeuge via Eigenbranding in die Werbung für das Hotel integrieren, physisch wie virtuell/online
  • Eigene Fahrzeuge zu geeigneten Messe und Veranstaltungen mitnehmen
  • Spektakuläre Fahrzeuge als Eye-Catcher einsetzen
  • Elektromobilisten-Netzwerke scannen und sich dort selbst positionieren
  • Dienstleister-Angebote wie z.B. movelo nutzen und an deren Marketing teilhaben
  • Eigene Events zum Thema veranstalten, sich als Location für solche Events bewerben
  • Grüne Energie sichtbar selbst erzeugen
  • Elektromobilität auch selbst nutzen und leben

Text: Alexander Görbing

Bilder: Aufmacher, Bild 2 u. 3: Kaiserhof, Bilder 1 u. 4: Werner Köstle

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