Fatbikes, also Mountainbikes mit Reifen bis zu 10 Zentimeter Breite und mehr, kommen, woher auch sonst – aus Amerika. Schon vor Jahrzehnten gab es unmotorisierte Fahrräder mit Zwillingsbereifung für Langstreckenrennen im verschneiten Alaska, sowie ganz ähnliche Pendants für das gemütliche Cruisen an den Sandstränden Floridas und Kaliforniens oder auch nur für wahre „Schlammschlachten“. Das Geheimnis dahinter: mag der Untergrund auch noch so weich sein, diese Bikes sinken einfach nicht ein.

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Fatties sind nicht das erste Nischen-Produkt, das von findigen Marketing-Strategen in einen Main-Market importiert und dort fest installiert wurde, und sie werden nicht das letzte sein. Zuerst vorgestellt von Kult-Marken wie Kona, Felt oder Elom, gibt es sie heute mit und ohne „e“ von vielen Volumen-Herstellern und auch von Nischenanbietern, die als Spezialisten auf diesem Gebiet über große Erfahrung verfügen und höchstfunktionelle Fahrzeuge anbieten. Aber die Fatties dürsten geradezu nach elektrischer Unterstützung, denn beim Anfahren und am Berg ist es ohne „e“ eine durchaus schweißtreibende Angelegenheit, die vergleichsweise schwere Fuhre auf Trab und in die korrekte Richtung zu bringen. In den E-Fatties steckt auch ganz schön Technik, denn so einfach ist nicht, den meist tretlagermontierten Motor mit der Kettenlinie vorbei an den dicken Schlappen harmonisch und funktional in den Rahmen zu integrieren.

direkt ab Hotel Holzhofalm in Leogang auf zum  Berg
direkt ab Hotel Holzhofalm in Leogang auf zum  Berg

Besonderes Fahr-Erlebnis
Ja, es ist ein besonderes Erlebnis, mit solch einem „Traktor mit eingebautem Rückenwind“ über die Straße zu grooven. Wir waren überrascht, statt dem erwarteten schwammigen Schlingern fahren sich die Bikes sehr neutral, aber „smooth“. Die Begeisterung kam dann im Gelände, bei fahrtechnisch anspruchsvolleren Trails. Über Wurzeln und feuchte Steine rollt man wie mit einem 29er, aber ohne die Gefahr, seitlich wegzuschmieren. Schlaglöcher, Gruben, Schrägen, all das verliert plötzlich seinen Schrecken. Die Gummiwürmer mit dem geringen Luftdruck saugen sich zwar förmlich an den Untergrund, rollen aber trotzdem noch erstaunlich leicht ab und lassen sich gut manövrieren.

Ruhe vor dem Downhill
Ruhe vor dem Downhill

Alles in allem: Die Sicherheit auf einem solchen Bike ist nachgerade phänomenal! Bedeutet für die einen, sie können auch dort fahren und springen, wo normalerweise jeder Gedanke an ein Fahrrad illusorisch ist, sie können größere Schräglagen fahren und brutaler bremsen.
Für nicht so erfahrene Biker heißt das: Die Gefahr, mit einem solchen Bike zu stürzen ist im Vergleich erheblich geringer, und zwar physikalisch wie psychologisch. So trauen sich manche plötzlich, auf den Berg zu fahren, ohne schon beim Uphill mit der Panik vor der Abfahrt zu kämpfen, oder sich auf technisch leichte bis mittlere Trails zu wagen, und, sie bewältigen das dann auch. Das gibt „Good Vibrations“ im Urlaub, und so soll es doch sein. Dazu kommt noch, dass die mit niedrigem Luftdruck befüllten Reifen sehr sanft mit dem Untergrund umgehen – diese Brummkreisel sind nahezu Golfplatz-geeignet. Das große Luftvolumen der Reifen macht Federungselemente eigentlich überflüssig, trotzdem gibt es die sanften Riesen als Alternative zu Starr-Rahmen und Gabel sowohl mit Federgabel als auch vollgefedert. Weil es heutzutage ja üblich ist, dass es alles gibt. Sicher, Hardcore-Biker nutzen bisweilen auch noch das letze Quäntchen Bodenhaftung und Brakeforce, aber Otto Normalradler wird womöglich vom Übermaß an Weichheit sogar überfordert.

Perfekt auch im Großstadt-Dschungel
Perfekt auch im Großstadt-Dschungel

Eye-Catcher
Wüstes Gelände, Sand und Schnee sind zwar der eigentliche Playground dieser Fahrzeugkategorie, aber auch Forststraßen und Waldtrails lassen sich damit entspannt befahren und für’s „Flanieren“ eignen sie sich natürlich ebenfalls bestens. Das geht soweit, dass etwa Haibike seine Fatties unter der Kategorie „Lifestyle E-Bike“ anbietet. Gerade das Zusammenspiel von Erlebniswert, Sicherheit auf allen Wegen und auffallendem Erscheinungsbild bildet das Plus für den Verleih. Der Hotelier muss sich um seine Fattie-Nutzer keine großen Sorgen machen, er weiß auch, dass er ihnen wirklich etwas ganz besonderes bietet, und er kann sich sicher sein, dass er damit viel Aufmerksamkeit für seinen Betrieb erntet. Und mit geführten Touren lassen sich diese Benefits noch sozusagen vervielfachen.

Text: Werner Köstle

Bildrechte: Aufmacher: Wolfgang Köhler, Bild 1: Hotel Hotel Forsthofalm, Bild 2: Matt/FAT-Bike.de Bild 3: Fantic Bikes

 

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Werner Köstle
Werner Köstle lebt in München. Nach dem Studium der Philosophie absolvierte er eine Management-Ausbildung und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der TU München. Im Jahr 2000 übernahm er die technische Leitung eines Unternehmens zur Entwicklung elektrischer Leichtfahrzeuge für den professionellen Einsatz. Danach tätig als freier Redakteur und Berater. Als Mitbegründer der Agentur ist er seit 2014 bei Touremo als verantwortlicher Redakteur und eMobility-Berater.

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