Nicht alles, was elektrisch rollt und schwirrt, ist tatsächlich lautlos. Immer wenn ein Getriebe vorhanden ist und Zahnräder ineinandergreifen, ist zumindest ein Surren zu hören. Etliche Rollermodelle nutzen einen Mittelmotor mit Getriebe und einer mechanischen Verbindung zum angetriebenen Hinterrad. Sie sind zwar recht leise, aber doch wahrnehmbar.

Anders der Kumpan 1954 L. Er gehört nämlich zu einer Gattung von E-Rollern mit Nabenmotor, der direkt mit dem Rad verbunden ist, um Geräusche zu minimieren sowie aus Effizienz- und anderen konstruktiven Gründen.

Aufgeräumt und handlich, Platz für bis zu drei Akkupakete plus Lader.
Aufgeräumt und handlich, Platz für bis zu drei Akkupakete plus Lader.

Anmutung
Die im rheinischen Remagen beheimatete Kumpan Electric setzt bei seinen Rollermodellen auf einen gemäßigten Classic-Stil. Heißt, sie ähneln optisch den Vespas aus den 60er Jahren. In der Farbgebung Creme-Weiß unseres Testfahrzeugs mit recht viel, aber nicht übertrieben viel Chromblenden und der braunen Sitzbank ergibt das ein homogen wertiges und elegantes Erscheinungsbild. Kumpan setzt auch auf „Made in Germany“ und auf solide, wertige Verarbeitung. Das spürt man bei jedem Kontakt, und natürlich auch am Gewicht. Vor allem aber beim Fahren!

Annäherung
Schnell ist der Fahrer mit der Bedienung vertraut. Wer jemals auf einem Motorrad gesessen hat, weiß augenblicklich Bescheid. Und auch die anderen lernen innerhalb weniger Minuten, auf was es ankommt. Also aufgesessen, den Seitenständer einklappen lassen und den Zündschlüssel! auf Stellung „on“. Das Licht geht an und die Parameter werden angezeigt. Besonders der Batteriestatus mit den Ladeständen der maximal drei Akkus unten im runden Kombi-Instrument zieht den Blick auf sich.

Fahreindruck
Das Gefährt zieht sanft los, das Gas ist sehr gut zu dosieren, und legt so gleichmäßig wie behände an Fahrt zu. Wer noch flotter vom Fleck kommen will, muss den Boost-Knopf drücken, dann wird es rasanter, aber auch energieintensiver. Wichtig etwa am Berg und bei Überholmanövern. Aber selbst so ist man schon schneller als ein entsprechender Verbrenner, und das in geradezu majestätischer Manier. Passanten und Autofahrer werden zum gefühlten Hofstaat, dessen Faszination für jeden Auspuffton einzeln entschädigt. Ohne Zugunterbrechung geht es bis etwas über 50 km/h, so man dem Tacho traut. Zum Mitschwimmen im Stadtverkehr reicht es allemal. Dabei ist die Fuhre sehr spurstabil, es kommt kein Wunsch etwa nach größeren Rädern auf. FahrerInnen sitzen erhaben und bequem, dank der guten Ergonomie und Abstimmung von Federung und Dämpfung. Überhaupt gibt es an der Fahrwerksauslegung nichts zu mäkeln, das auf Komfort getrimmte Setup passt gut zum Fahrzeug. Die Doppelkolben-Bremsen geben ebenfalls keinen Anlass zur Kritik. Und ein Blick auf die Anzeigen verrät, dass beim Verzögern sogar Energie rückgewonnen wird.

Reichweite
Wer mit der Energie gut haushält, kommt mit dem einen mitgelieferten Akku an die fünfzig Kilometer weit. Bevor ihm am Ende der „Saft“ ausgeht, erlahmt das Vehikel zusehends. Geht die Geschwindigkeit auf 35 km/h zurück und das Temperament gegen Null, weil die Steuerung die Leistung herunterregelt, signalisiert das dem Fahrer, dass sich in etwa drei Kilometern der Antrieb abschalten wird. Unter der Sitzbank hat der 1954 L Platz und Kabel für bis zu drei Akkus, die gemeinsam oder auch einzeln angestöpselt werden können. Jeder Zusatzakku für ca. 50 Km Reichweitenplus kostet 999 Euro. So werden bei einer möglichen Gesamtreichweite von etwa 150 Kilometern satte 2000 Euro zusätzlich fällig. Zusammen mit dem Grundpreis von 3.999 Euro kämen am Ende dann 6.000 Euro zusammen. Ein Dumping-Angebot ist das Vergnügen also nicht gerade. Für entspannte, angstfreie Trips in die etwas weitere Umgebung des Hotels oder der Vermietstation ist jedoch zumindest ein Zusatz-Akku sehr zu empfehlen. Schließlich sind passende Ladestationenen gerade in ländlichen Destinationen eher selten vorhanden. Ein entscheidender Vorteil ist: die Akkus sind einzeln entnehmbar und – dank ausklappbarer Griffe – relativ bequem zu tragen, besonders mit dem als Zubehör erhältlichen Schulter-Tragegurt.

Zulassung für zwei Personen
Entschädigung für den hohen Preis bietet die Möglichkeit, einen Passagier mitzunehmen. Das ist in dieser Klasse nicht unbedingt üblich. Auch nicht üblich ist, dass dann die Leistungsreserven immer noch ausreichend und das Platzangebot geradezu als üppig zu bezeichnen sind. So werden Touren zu zweit zum Vergnügen und nicht zur Tortur.

Eine gute Wahl, wenn es um den Verleih durch Hotels geht.
Eine gute Wahl, wenn es um den Verleih durch Hotels geht.

Ausstattung

Eigentlich ist alles vorhanden, was benötigt wird. Es fehlt weder das gesicherte Fach unter der Sitzbank, noch ein solider und funktionaler Gepäckträger und auch der Haken unter dem Cockpit für die Einkaufstasche ist vorhanden. Nur, ein Jethelm passt eben nicht mehr unter den Sitz. Diesen Platz beanspruchen die Akkus und/oder das Ladegerät. Dafür sind diese ganz einfach von oben zu entnehmen, ohne sich etwa das Kreuz zu verrenken. Irgendeinen Tod muss man bekanntlich sterben. Die Instrumentierung ist übersichtlich und jederzeit gut abzulesen. Eine Tempomatfunktion sorgt für entspanntes Cruisen, eine integrierte USB Buchse für Energie für das Smartphone. Dass eine richtungsunabhängige Blinkerrücksetzung vorhanden ist, ist eigentlich Standard, aber trotzdem erfreulich. Am erfreulichsten aber ist, dass alles so solide und vertrauenserweckend gestaltet ist. Einziger Kritikpunkt: Die Sitzbank-Arretierung ist sehr schwergängig und rastet meist erst ein, wenn das Gewicht des Fahrers/der Fahrerin darauf lastet.

Die Kombi für den Ausflug zu zweit
Die Kombi für den Ausflug zu zweit

Für den Kumpan Roller gibt es von der Leder-Werkzeugtasche bis zu stilsicheren Weißwandreifen eine ganze Menge an optischen Aufwertungen und Accessoires.
Wer seinen Gästen etwas besonders Cooles und zudem Funktionales – etwa zum Transport des Picknick-Equipments – bieten möchte, kann sogar eine Gespann-Variante wählen. Passend zum Design des Rollers gibt es nämlich sowohl einen Einrad- als auch einen zweispurigen Anhänger.
Für Kumpan-Flotten bietet der Hersteller noch besondere Fleet-Services an.

Fazit
Der Kumpan ist ein echter Kamerad, zuverlässig, leise und in jeder Beziehung umgänglich und unaufdringlich, dabei von einer eleganten Erscheinung und einfach zu bedienen.
Wer sein Augenmerk vor allem auf deutsche Wertarbeit richtet und beim Preis nicht allzu sensibel ist, erhält einen soliden Gegenwert, der aufgrund seiner einfachen Handhabung, der gebotenen Qualität und gelungenen optischen Anmutung insbesondere für den Verleih in Frage kommt. Da sind zufriedene Gäste gleichsam programmiert.

https://www.kumpan-electric.com

Daten

  • Leistung: bis max. 2,8 kW (Boostfunktion)
  • Akkukapazität: ca. 1,5 kWh pro Akku
  • Reichweite: ca. 50 Kilometer pro Akku
  • Stromkosten: ca. 1 Euro/100 km
  • Preis (mit 1 Akku): 3.999,00 Euro
  • Ersatzakku: 999,00 Euro

Text: Werner Köstle
Bildrechte: Aufmacher, Bild 1 und 2: Anett Tobies, Bild 3: Kumpan Electric

 

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Werner Köstle
Werner Köstle lebt in München. Nach dem Studium der Philosophie absolvierte er eine Management-Ausbildung und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der TU München. Im Jahr 2000 übernahm er die technische Leitung eines Unternehmens zur Entwicklung elektrischer Leichtfahrzeuge für den professionellen Einsatz. Danach tätig als freier Redakteur und Berater. Als Mitbegründer der Agentur ist er seit 2014 bei Touremo als verantwortlicher Redakteur und eMobility-Berater.

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