2018/19 wird das Jahr der elektrischen Leichttransporter. Auch die deutschen Hersteller sind nun–angesichts drohender und teilweise schon geltender Fahrverbote für Diesel in etlichen Städten – endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Hinsichtlich des steigenden Drucks  potenzieller Kunden sowie der Politik wollen sie jetzt den Markt nicht mehr nur französischen und asiatischen Herstellern bzw. denen von Quereinsteigern überlassen. Es wird auch Zeit! Da die Post-Tochter Streetscooter ihre E-Transporter nun auch an Fremdfirmen liefert  und die Initiative des rührigen Bäckers Schüren zur Entwicklung eines E-Transporters für Gewerbebetriebe mit den ersten Auslieferungen begonnen hat, ist es höchste Zeit, endlich auf den wachsenden Konkurrenzdruck zu reagieren.

Richtig interessant wird es wohl ab dem Herbst/Winter, dann dürfte ca. ein Dutzend Modelle zwischen Kombi und 3,5 Tonner zur Auswahl stehen. Und wer morgen elektrisch liefern will, muss sich heute orientieren.

 

Die Marktübersicht:

Etablierte Platzhirsche

Renault:

Kangoo Z.E. und Kangoo Maxi Z.E., Master Z.E.
Renault stattet den Kangoo ZE nun mit einem größeren Akkupack (33 statt 24 Kilowatt-stunden) aus, die Reichweite liegt damit nun über 250 km. Im Programm sind zwei Längen – der Maxi besitzt einen verlängertem Radstand –  und verschiedene Karosserie-Varianten. Die Preise beginnen bei 20.820 Euro netto plus Akkumiete ab 58 Euro/Monat.
Der Renault Master Z.E. (Sprinterformat) ist nun auch eingepreist. Er kostet in Deutschland ab 59.990 Euro netto. Darin enthalten ist auch die Batterie, sie kann nicht gemietet werden. Der Antrieb des Master basiert auf dem Kagoo Z.E., mit 33 kWh Kapazität und 57 kW Leistung soll er sichere 120 Kilometer Reichweite bieten. Die Lade-Höchstleistung liegt bei 7,4 kW.

Der Master soll in drei Längen, zwei Höhen und zwei Karosserie-Varianten im Frühjahr  zur Auslieferung kommen.

Renault Kangoo Z.E. Bild  2: Renault Master Z.E.
Renault Kangoo Z.E. Bild  2: Renault Master Z.E.

www.renault.de

PSA:

Citroen Berlingo Electric, Peugeot Partner Electric
Die Schwestermodelle reichen in ihrer Transportkapazität knapp an den Kangoo heran, ihre Batteriekapazität ist mit 23,5 kWh geringer und damit auch die Reichweite, die bei ca. 170 Kilometern liegt. Dafür sind sie rund 5.000 Euro günstiger, die Batterie wird gemietet. Zwei Längen sind verfügbar.

 Citroën Berlingo Electric
Citroën Berlingo Electric

http://business.citroen.de

Peugeot Partner Electric
Peugeot Partner Electric

http://www.professional.peugeot.de

Nissan:

eNV 200 und eNV 200 Max
Der neue eNV 200 basiert auf der Technik des Leaf und bietet nun auch dessen erhöhte Akkukapazität von 40 kWh und damit eine Reichweite von ca. 280 Kilometern. Erhältlich ist er als Kastenwagen, Kombi und Bus. Die Preise beginnen bei 24.635 Euro plus Akkumiete. Als bisher einziger Transporter ist er in der Lage, Energie ins Netz zurück zu speisen oder externe Elektrogeräte mit Strom zu versorgen. Der 200 Max bietet einen längeren Radstand.

Nissan e-NV 200
Nissan e-NV 200

https://www.nissan.de

Neulinge und Exoten

Deutsche Post:

Streetscooter Work Pure und Work L, Work XL
Der Transporter für Handwerk und Gewerbe wurde ursprünglich von einem Studenten-Team der RWTH Aachen entwickelt und u.a. der Deutschen Post angeboten. Diese kaufte die Firma Streetscooter GmbH und lehrt nun den etablierten Herstellern das Fürchten. Der Streetscooter ist nämlich inzwischen auch für externe Kunden erhältlich. Zwei Größen sind verfügbar. Die Reichweite wurde nach dem Kunden-Anforderungsprofil ausgelegt und liegt bei ca. 100 km. Die Preise beginnen bei ca. 43.000 Euro. Die Palette wird stetig erweitert, das neueste Projekt wird der Streetscooter Work XL sein, entwickelt in Kooperation mit Ford.

Streetscooter Work
Streetscooter Work
Streetscooter Work L
Streetscooter Work L
Streetscooter Work XL
Streetscooter Work XL

www.dpdhl.com

Initiativgruppe Bäcker Schüren:

Bakery Vehicle 1
Wegen der e-mobilen Schlafmützigkeit deutscher Nutzfahrzeug-Hersteller gründete  Bäckermeister Roland Schüren aus Hilden 2017 selbst eine Beschaffungsinitiative, sammelte Bestellungen und schrieb den Entwicklungsauftrag für einen gewerblichen Leichttransporter aus. Gewonnen hat die Post-Tochter Streetscooter für die Fahrgestell-Varianten und das slowakische Unternehmen Voltia für die Kastenwagen, die auf dem Chassis des Citroën Jumper aufbauen. Die ersten BV 1 (bakery vehicle) auf Basis des Streetscooter Work L werden im ersten Quartal ausgeliefert. Es gibt insgesamt zehn Varianten, die Preise beginnen bei 38.950 Euro.

Bakery Vehicle BV 1

https://www.ihr-bäcker-schüren.de

SAIC:

Maxus ev 80
Er ist der erste chinesische E-Transporter, der in Deutschland auf den Markt kommt, mit einem Laderaum von 10,2 Kubikmeter. Und zwar zunächst exklusiv bei der Fa. „Maske Fleet GmbH“ in Hamburg, und zwar als Langzeit-Mietangebot. Nach Aussage des Importeurs kann er dort aber auch schon käuflich erworben werden. Nach der IAA Nutzfahrzeuge-Messe in Hannover, auf der neben dem Grundmodell weitere Versionen (u.a. ein rollstuhlgerechter Aufbau) vorgestellt werden, soll der Import auf eine breitere Basis gestellt werden. Im Maske Mietverhältnis kostet er im Flatrate-Angebot ab 745 Euro im Monat und bietet bei einer Leistung von 60kW fast 200 km Reichweite bei einer Ladezeit von ca. zwei Stunden mit 60 kW. Wechselstrom kann der Transporter mit einer Leistung von 6,6 kW aufnehmen. Im VK soll er deutlich unter europäischen Vergleichsangeboten liegen.

SAIC Maxus EV 80

www.maxusev80.com

 

Etablierte Nutzfahrzeug-Hersteller 

MAN:

eTGE
Ab Juli in die Serienfertigung gehen soll der Elektro-Erstling von MAN, der ein Schwestermodell zum VW e-Crafter darstellt und über eine Reichweite von 160 km bei 100 kW Leistung und eine Nutzlast von 1,7 t verfügt. Montiert wird der Transporter ebenso wie der Crafter in Polen, die Preise beginnen bei 69.500 Euro.

 MAN eTGE
MAN eTGE

www.mantruckandbus.com

Mercedes-Benz:

eVito
Die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei, Mercedes Vans will nun die ganze Bandbreite seiner Transporterfamilie elektrifizieren, vom eCitan (Plattform Fiat Doblo) über den eVito, der ganz auf die KEP-Branche (Kurier, Express, Paket) ausgerichtet ist, bis zum eSprinter und schwereren e-Lastwagen. Den Anfang macht der eVito mit einer Reichweite von sicheren 100 km und einem Einstandspreis von 39.990 Euro. Erhältlich als Van oder als Bus. Der eSprinter ist für Anfang 2019 angekündigt.

Mercedes-Benz eVito
Mercedes-Benz eVito

https://www.jetzt-elektrovan.mercedes-benz.de/

IVECO:

Daily Electric
In Kleinserie gibt es den Iveco Daily Electric schon seit etlichen Jahren. Insofern ist IVECO ein Pionier der Szene, der nun Gefahr läuft, abgehängt zu werden. Das soll sich jetzt ändern, konkrete Pläne sind aber noch nicht bekannt. Der Daily hat zwei Fahrmodi, Eco und Sport. Das Batteriepaket ist modular gestaltet, mit den maximal drei Akkupacks liegt die Reichweite bei 280 km. Im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten ist er schnellladefähig. Die Ausstattung sucht ihresgleichen, der Preis aufgrund der Kleinserienfertigung allerdings auch – noch.  Er beginnt bei ca. 97.000 Euro.

 IVECO Daily Electric
IVECO Daily Electric

www.iveco.com/germany/unternehmen/pages/elektroantrieb.aspx

Volkswagen:

e-Crafter
Der e-Crafter wird bereits bei einigen Großkunden von VW getestet, ab September diesen Jahres geht er in den offiziellen Verkauf. Er bietet 1,7 Tonnen Zuladung, den 100 kW-Antrieb aus dem e-Golf und bei einer Akkukapazität von 36 kWh und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h 130 bis 170 Kilometer Reichweite. Der e-Crafter ist schnellladefähig, der Preis liegt bei 69.500 EUR.

VW e-Crafter
VW e-Crafter

www.volkswagen.de

Kleinmobile

Piaggio:

Porter e
Ein Elektro-Transporter für die Inner-City, der oft vergessen wird, aber Herstellerangaben zufolge schon mehr als fünftausend Mal verkauft wurde. Betriebsspannung (96 V – Blei-Gel-Akkus) und Höchstgeschwindigkeit (55 km/h) sind eher moderat, die Reichweite und die Nutzlast von 470 Kg ist aber durchaus konkurrenzfähig. Erhältlich ist er z.B. als Kasten, Kombi und Pritschenwagen, die Preise beginnen bei 22.750 Euro netto.

Piaggio Porter e
Piaggio Porter e

http://www.piaggiocommercialvehicles.com/de_DE/

Renault:

Twizy Cargo
Der Twizy cargo ist als Leichtmobil mit 45 sowie mit 80 km/h erhältlich. Beiden gemeinsam sind die Zuladung von 75 kg und ein Ladevolumen von 156 Litern. Die Reichweiten betragen 120 Kilometer bei der 45 km/h Variante und 100 Kilometer bei der Version mit 80 km/h. Die Preise beginnen bei 7.890 Euro zuzüglich der Akkumiete von 50 Euro pro Monat.

Renault Twizy Cargo
Renault Twizy Cargo

www.renault.de/modellpalette/renault-modelluebersicht/twizy.html 

VW:

e-load up!
Durch die Entfernung der Rückbank entsteht ein durch ein Gitter abgetrennter Ladebereich mit flachem Boden, der 990 Liter bzw. 360 kg Frachtgut aufnimmt. Der Load bietet eine Reichweite von 160 Kilometern, 60 kW Leistung und eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Außerdem ist er schnellladefähig, die Preise beginnen bei 27.495 Euro (brutto).

VW eLoad-Up!

www.volkswagen.de

Achtung: Alle hier angeführten Fahrzeuge sind im Rahmen der Bundesförderung Elektromobilität förderfähig und stehen, soweit sie schon am Markt sind, im entsprechenden Verzeichnis des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA):

http://www.bafa.de/SharedDocs/Downloads/DE/Energie/emob_liste_foerderfaehige_fahrzeuge.html

Übrigens gibt es eine Reihe von Umrüstern, für die hier exemplarisch die Firmen Kreisel Electric, Emovum oder Voltia genannt seien, die in diesem Segment bewährte konventionelle Fahrzeuge auf E-Antrieb umrüsten oder solche Umrüstungen sogar in Kleinserien umsetzen. Interessant dann, wenn man im OEM-Angebot nicht das richtige für sich findet. Ihr Preis liegt aber wegen der geringen Stückzahlen in der Regel deutlich über dem von Großserienmodellen. Unterhalb der hier vorgestellten Kategorie liegen zwei-, drei- und sogar vierrädrige Lasten E-Bikes, teils mit Wetterschutz oder Kabine, die ordentlich Transport-Kapazität für deutlich weniger Geld bieten. Zu diesem Segment finden Sie einen eigenen Beitrag in unserem Magazin. Als einzigen Plug-In Hybrid wird es ab 2019 den Ford Transit geben, der derzeit in einer Auflage von zwanzig Stück in der Erprobung in London läuft. Eine Nummer größer bilden Lkw mit 7,5 bis 12 Tonnen ein kommendes Segment. Mercedes, MAN, Renault, Volvo und etliche andere haben den Marktstart entsprechender Fahrzeuge für 2019 angekündigt.

Text: Werner Köstle

Bilder: Bild 1 und 2: Renault, Bild 3:Citroën, Bild 4:Peugeot, Bild 5: Nissan, Bilder 6, 6a, 6b: Deutsche Post DHL, Bild 7: Roland Schüren, Bild 8: SAIC, Bild 8a: MAN, Bild 9: Mercedes Benz, Bild 10: IVECO, Bild 11: VW, Bild 12: Piaggio, Bild 13: Renault, Bild 14: VW Nutzfahrzeuge

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