Wer eine Lademöglichkeit für E-Bikes bereitstellt, kann damit beim Gast punkten, vorausgesetzt, er liegt bei der Produktwahl nicht daneben und kommuniziert sein Angebot professionell. In unserer Serie zeigen wir, auf was es ankommt und stellen geeignete Bike-Lader vor.

Ladestationen – Sinn und Zweck
E-Bikes, ob vom Gast mitgebracht oder vor Ort ausgeliehen, müssen geladen werden, zumindest vor Antritt eines Trips. Das kann verborgen im eigenen Hotelzimmer oder in einem abgesperrten Fahrradkeller geschehen. In diesen Fällen ist eine eigene E-Bike Ladestation, zumindest aus technischer Sicht, nicht erforderlich.

Ganz anders liegt der Fall, wenn unterwegs zwischengeladen werden soll oder sogar muss. Und dafür kann es gute Gründe geben.

Notwendig kann ein Energienachschlag werden, weil: erstens, allzu optimistische Reichweitenangaben seitens der Hersteller sich bei anspruchsvoller Topografie ganz schnell als Illusion erweisen können und der allzu forschen Tourenplanung ohne Boxenstopp einen energetischen Strich durch die Rechnung zu machen drohen. Zweitens, weil weder sämtliche Leihbikes noch die mitgebrachten Gefährte immer ganz taufrisch sind. Betagte oder strapazierte Akkus brauchen eben öfter mal einen zusätzlichen Energie-Kick. Da kann es dann auch unter technischen Aspekten sinnvoll sein, ein Stündchen für den energetischen Nachschlag zu investieren. Außerdem wirken sich Zwischen- Ladungen generell positiv auf die Lebensdauer moderner Lithium-Akkus aus.

Meist sind es aber nicht technische Gründe, die zur zwischenzeitlichen Strom-Tränke leiten, sondern eher menschlich-profane. Zudem wird die Tour, auch mit E-Bikes, schnell zur Tortur statt zum Erlebnis, wenn auf die gemütliche Einkehr verzichtet wird und nur Stoppuhr und Kilometerzähler den Ausflugsablauf bestimmen.

Liegt der Gast(ro)betrieb dann etwa noch günstig an einer Biker-Route, z.B. an einem Radfernweg oder einer ausgewiesenen Mountainbike-Strecke, dann macht die Schaffung von Möglichkeiten, den Akku zwischendurch aufzufrischen, für den Anbieter wirklich Sinn.

Hände weg von allzu simplen Lösungen!
In diesen Fällen genügt ein eilends aus der Küche heraus verlegtes Verlängerungskabel den Anforderungen ebensowenig wie allzu einfach gehaltene Konstruktionen, die zwar Strom liefern aber sonst nichts. Allein, weil man während zu Schmausen nicht immer ein wachsames Auge auf die Ladegerät/Akku-Kombi haben kann. Weil man bei einem plötzlichen Regenguss nicht zuerst das elektronische Equipment ins Trockene bringen möchte. Weil offen liegende Kabel Stolperfallen sind. Weil abenteuerlustige Kinder in der Nähe sind. Und schließlich, weil das Laden mit dem originalen Lader nur indoor zugelassen ist und man bei Verstößen zumindest der Garantie verlustig geht. Von der Haftung für eventuell auftretende Folgeschäden ganz zu schweigen. Leider sind gerade solche halben „Lösungen“ vielfach nicht die Ausnahme, sondern immer noch weit verbreitet, v.a. weil sie kaum Investitionen verlangen.

    

Unsichere und wenig praktikable Lösungen: kein Schutz der Komponenten vor Witterung, Diebstahl und Vandalismus, keine Ablage für Ladegeräte. Beliebt auch in der Stolperfallen-Ausführung.

Richtige Produktwahl
Es gibt beim Outdoorladen also eine Reihe von Punkten zu beachten. Die Sicherheitskriterien erfüllen dabei am besten abschließbare Ladeschränkchen, in denen zudem noch Rucksack und Helm untergebracht werden können. Wenn an solchen Schrank-Kombinationen außer der obligatorischen Steckdose dann noch Druckluft, Reparaturwerkzeuge, gar ein „Schlauchomat“,  USB-Ausgang bzw. ein W-Lan Spot vorhanden sind, alles unter einer Lage Solar-Panele mit Beleuchtung bei Dunkelheit (z.B. Bewegungsmelder), ist das Radlerglück vollkommen. Und, entsprechend gestaltet, kann die Station auch noch wirkungsvolle Werbebotschaften aussenden. Doch auch andere als die Schranklösungen können durchaus Vorzüge besitzen. So kommen speziell in touristischen E-Bike-Regionen, die mit vielen „Charging-Points“ unterwegs ausgestattet sind, häufig Adapter-Lösungen zum Einsatz.

     

     

Sichere und praktikable Produkte – von der  Adapterlösung bis zur E-Bike-Ladegarage

Wirksames Marketingtool
Damit sind wir beim Kern der Sache angelangt. Denn nach der Notwendigkeit einer Ladestation für E-Bikes gefragt, wird aus dem  „nice to have“ der technischen Betrachtung ein „must have“ aus der Sicht des Marketings. Eine E-Bike Ladestation ist ein Akzent, ein Instrument, Kunden anzuziehen. Sie bietet den Anreiz, eine Pause einzulegen mit der Möglichkeit, neben den Bikes auch die körperlichen Speicher zwischenzuladen oder kulturelle Angebote wahrzunehmen, etwa einen Abstecher zu machen in eine historische Altstadt oder ein Museum. Eine Ladestation wird so zu einem Mittel, die lokale Wertschöpfung zu steigern. Welcher Wirt freute sich nicht, eine Biker-Gruppe gerade dadurch bei sich verköstigen zu können, weil er die Möglichkeit bietet, sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen und auf der restlichen Strecke dann beruhigt wieder energetisch aus dem Vollen schöpfen zu können.

Das ist aber noch nicht alles. Eine E-Bike Ladestation ist, sichtbar positioniert, auch ein Mittel der Kommunikation. Sie vermittelt den Gästen, dass sie willkommen sind, indem man signalisiert, auf ihre (potentiellen) Bedürfnisse einzugehen.

Aus Nachhaltigkeitsgründen empfiehlt sich, die Ladestation mit erneuerbar erzeugtem Strom zu betreiben und dies auch offensiv zu vermitteln. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, wie etwa die Anlage mit Solarzellen zu überdachen, um damit die „Nullemission“ am augenfälligsten zu demonstrieren. Aber auch schon der visuelle Hinweis auf die Versorgung der Station mit „Grünstrom“ macht Sinn.

Kosten
Eine optisch gelungene und technisch einwandfreie Anlage mit mehreren Ladepunkten kostet zwischen 1000 und 4000 €. Die Installation schlägt mit einigen hundert Euro zu Buche, die Aufbaukosten richten sich nach den individuellen Gegebenheiten und Wünschen. Der Anschluss an das Stromnetz stellt keine besonderen Anforderungen an die Energieversorgung des Hauses. Die Kosten für die Wartung sind zu vernachlässigen. Die volle Aufladung eines derzeitig typischen Fahrradakkus benötigt ungefähr eine halbe Kilowattstunde Strom, ca. vier Stunden Zeit und liegt von den Kosten bei unter 20 Cent, also dem Bruchteil der Energiekosten einer warmen Dusche. Übrigens: Der Verkauf von Energie via Ladestation rechnet sich nicht.

Kurz gefasst

Gründe für die Anschaffung einer E-Bike Ladestation

Gründe für die Anschaffung einer E-Bike Ladestation

  • eventuelle Ladenotstände beheben +
  • Service für Hausgäste             ++
  • Ausflugsgäste  anlocken und binden +++
  • Werbebotschaften senden ++
  • eigenen Eco-Anspruch vermitteln ++
  • Zusätzliche Umsätze generieren (indirekt) +
  • Sanften Tourismus fördern/symbolisieren ++

Unbedingt zu empfehlen:

  • Praktikable und sichere Ladetechniken auswählen
  • Installation nur vom Fachmann durchführen lassen
  • Strom kostenlos zur Verfügung stellen
  • Offensiv bewerben (z.B. Website)
  • In Ladestellen-Verzeichnisse eintragen lassen
  • Kooperationen mit lokalen Partnern eingehen
  • An prominentem Platz gut sichtbar aufstellen
  • Weg zur Ladestelle in der Umgebung ausweisen
  • Keine losen Kabel zulassen

Text: Werner Köstle

Bildrechte:
Aufmacher: LEW-Brechenmacher Baumann, Bild 1: Werner Köstle, Bilder 2 und 3: Peter Grett, Bild 4: BikeEnergy,  Bild 5: LEW-Bernd Müller, Bild 6: Peter Grett, Bild 7: Ziegler Stadtmobiliar, Bilder 8 und 9: Innovametall/SafetyDock

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