Frischer Wind im E-Bike Land

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Alle Jahre wieder… präsentiert die „ Eurobike“ in Friedrichshafen eine schier unüberschaubare Menge neuer Produkte, Marken und Konzepte. Drei Tage reichen kaum aus, um sich durch diesen Wust und das Besuchergewühl zu arbeiten. Selbst dann, wenn man wie wir, eine selektive e-mobile Brille aufhat und das Angebot durch den touristischen Filter betrachtet. Hier eine Auswahl unserer Entdeckungen.

Merkwürdig, der frühe Termin und der Messestart am Sonntag, und vermutlich auch denkwürdig, denn nächstes Jahr wird alles wieder so wie sonst. Haben wir uns verfahren? Wo bleibt der Stau? Kein Anstehen am Würstelstand und tatsächlich Zeit für Gespräche – ein Eurobike-Erlebnis der besonderen Art. Doch zur Sache: Was ist uns aufgefallen?

  

Die Trends

Trend 1: Lasten E-Bikes

Trend 2: Leichte Pedelecs

Trend 3: Jugendpedelecs

Trend 4: E-MTB mit neuen und spezifizierten Antrieben

Die Eurobike war dereinst eine Fahrradmesse, heute spielen konventionelle Fahrräder beinahe schon eine untergeordnete Rolle, E-Bikes /Pedelecs machen gefühlt bereits mehr als ein Drittel der ausgestellten Räder aus und stehen an jedem Stand sowie im Testparcours im Mittelpunkt des Interesses. Kein Wunder, dass sich diese Gattung wieder in verschiedene Spezies differenziert, wobei die Lastenräder den am weitesten etablierten Trend darstellen und die Jugendpedelecs den neuesten. Alle sind sie aber für den touristischen Einsatz von hoher Relevanz.

 

Lastenräder

Sie sind schon lange keine Exoten und Bastlerprodukte mehr, sondern eindeutig im Mainstream angekommen. Immer weiter verbreitet sich die Erkenntnis, dass sie oft als Auto-Ersatz dienen können, damit die Umwelt entlasten und den Geldbeutel schonen. In der urbanen Verkehrsplanung spielen sie eine immer gewichtigere Rolle.

Dementsprechend erobern sie insbesondere drei funktionale Bereiche:

  • KEP-Dienste (Kurier, Eil- und Postdienste)
  • Einsatz als Leih- und Sharing-Räder
  • Verwendung als Betriebs- und Mitarbeiter-Fahrzeuge

Für den Verleih/Sharing-Betrieb sind sie nicht nur im kommunalen Umfeld und für soziale Dienste geeignet, sondern auch für Destinationen und Hotels, insbesondere wenn sie dort für Familien-Trips zur Verfügung stehen oder einfach nur als Fun-Fahrzeuge genutzt werden.

Und wegen ihrer Funktionalität bieten sie sich auch als Betriebsfahrzeuge an.

Wir haben, vor allem aus der Sicht als Verleihfahrzeug, drei Neuheiten verschiedener Auslegung herausgepickt, die besonders leicht und sicher zu fahren sind.

 

tern

Das tern GSD hört auf die Formel 180 x 180, es ist mit 180 Zentimeter kleiner als ein Normal-E-Bike und mit 180 kg zugelassenem Gesamtgewicht ein richtiger Lastesel.

Entsprechend Gepäck oder auch zwei Kleinkinder finden auf ihm Platz. Es verfügt über alle dafür nötigen Anbauteile und bleibt dabei doch für Piloten von 160 bis 195 Zentimeter Körpergröße leicht und sicher zu fahren. Als Transportstück beansprucht es weniger Platz als ein herkömmliches Citybike und stehend auf dem Gepäckträger nimmt es kaum Platz weg, wenn es nicht gebraucht wird.

tern GSD mit Gepäcktaschen

www.ternbicycles.com/de

 

XCYC Pickup

Die Dreiräder sind sehr kompakt und können mit unterschiedlich breiten Reifen bestückt werden, so dass sie auch am Strand, im Gelände oder in der Hand von eingeschränkten Personen eine gute Figur machen. Der Sattel kann durch einen Hebel ganz abgesenkt werden, so dass ein erleichterter Auf- und Abstieg gewährleistet ist. Für den Arbeitseinsatz stehen verschiedene Aufbauten sowie eine Anhänger-Kupplung samt Nachläufer zur Verfügung. Modelle Allround, Performance und Work.

XCYC Pickup Allround

www.xcyc.de

 

Chike e-kids

Der kompakte Kinder- und Lasttransporter mit Shimano-Antrieb ist besonders intelligent konstruiert, durch Kurven segelt man schräg wie mit einem normalen Fahrrad. Ob mit einem oder zwei Kindern oder nur einem üppigen Picknick-Korb an Bord, das Chike bietet ein einzigartiges Fahrerlebnis. Der Umbau von Last- auf Kindertransporter oder umgekehrt ist in weniger als dreißig Minuten auch von Laien gut zu bewältigen.

chike e-kids

www.chike.de

 

Leichte Pedelecs

Deutlich unter 20 Kilogramm, die Benchmark liegt bei 15 Kg, und dabei auch auf den zweiten Blick nicht als E-Bike zu erkennen, das ist das Ziel der Entwickler von Leichtpedelecs. Einsatzort ist meist die Stadt, aber es sind auch schon E-Mountainbikes dabei. Mit der Bereitschaft, Einbußen bei Leistung und Reichweite hinzunehmen, kommen diese dem ursprünglichen Gedanken, Fahrrad zu fahren und dabei motorisch etwas unterstützt zu werden, wieder näher. Neben „normaler“ Pedelecauslegung gibt es oft auch die Variante „Power on Demand“.

 

FAZUA

Die Idee des Münchner Start-Up, eine Antriebseinheit zu entwickeln, die sogar (fast) komplett zu entnehmen ist, ist inzwischen technisch ausgereift und wird von mehreren Herstellern wie FOCUS oder Corratec in Serienbikes eingebaut. Ganz neu ist, dass Hersteller neben dem MTB- und Gravel-Bereich auch für urbanes Umfeld diesen leichten Antrieb entdecken. Für den Verleih ist das Konzept auch deshalb interessant, weil man Bikes mit diesem Antrieb auch „ohne“, also als „klassische“ Bikes, vermieten kann. Man braucht dann nur die Hälfte an Rädern vorzuhalten.

FOCUS Raven 2
Ibex eTimeless Light GTS

www.focus-bikes.com

www.myibex.ch

 

 Ampler

Die Bikes von Ampler aus Tallin bilden den generellen Trend sehr gut ab. Leicht, klassisch, konnektiv. Das leichteste Rad wiegt gerade einmal 14 Kilogramm, die preisliche Attraktivität wird durch den exklusiven Online-Vertrieb garantiert. Der Vortrieb wird von einem Bafang-Getriebe-Nabenmotor besorgt. Ganz ähnliche Räder gibt es auch von Van Moof, Geos, Geeroo und Coboc.

Ampler Stellar Commuting-Bike

www.amplerbikes.com

  

Ridetronic

Ebenfalls aus München stammen die Macher des aus dem TV bekannten Leicht-Pedelecs mit TronicDrive Antrieb, sie greifen eine nicht ganz neue Idee auf, nämlich die, alle elektrischen Komponenten auf die beiden Fahrradnaben zu verteilen und so ein leichtes, „unsichtbares“ E-Bike mit sehr natürlichem Fahrgefühl zu schaffen. Das Gewicht liegt bei eben mal 13 Kilogramm. Die erste Serie kommt im Frühjahr 2019. Und zwar für 2749 Euro. Die Macher haben wir vor der Messe in München getroffen.

Ridetronic E-Bike

www.ridetronic.de

  

 Jugend-Pedelecs

 Den Anfang mit elektrischen Mountainbikes für Jugendliche machten Haibike und KTM schon vor einigen Jahren. Jugend-Pedelecs haben vor allem den Sinn, bei Touren zusammen mit Erwachsenen den Nachwuchs in Sachen Kraft und Ausdauer nicht zu überfordern. Insbesondere für Familien-Hotels sind diese Bikes interessant, denn sie ermöglichen dadurch die Vermittlung ganz neuer Urlaubserlebnisse. Es gibt sie in 24 und 26 Zoll, die Bedienung ist vereinfacht und auf Kinderhände, die Kurbeln auf Kinderfüße abgestimmt, die Leistung oder die Höchstgeschwindigkeit oft reduziert bzw. regelbar. Um die Preise moderat zu halten, sind oft etwas einfachere Komponenten verbaut. Fahrbar ab ca. 12 Jahren.

Inzwischen bieten auch weitere Großserien-Hersteller solche Bikes an, wobei bestehende Modelle für Jugendliche adaptiert und angepasst werden. Wir zeigen Ihnen Bilder von Conway, Focus und Raymon als Beispiele.

Conway eMS 240 24 Zoll 

Mit dem eMC gibt es auch eine Variante mit Straßenverkehrs-Ausstattung

https://www.conway-bikes.de/bikes-2019/ebikes/#ekids

 

Focus Bold2 Junior

Dieses Jugend-Pedelec ist auch vom Mobilitäts-Dienstleister movelo in sein All-Inclusive Angebot aufgenommen worden.

https://www.focus-bikes.com/de_de/44750-focus-bold-junior.html

 

Raymon ist eine neue Marke, gegründet vom ehemaligen Geschäftsleitungs-Team von Winora-Haibike, die mit dem Dachunternehmen Pexco gleich drei neue Marken unterschiedlicher Ausrichtung an den Start bringen. Das Raymon e Sixray 4.0 mit Yamaha-Motor, Neungang-Schaltung und 165 mm langen Tretkurbeln ist schon für 1.999 € zu haben.

Raymon E Sixray 4.0

https://www.r-raymon-bikes.com

 

Ben-E- Bike Twentyfour E-Power Air

Der Hersteller bietet E-Bikes schon für die Kleinsten ab 20 Zoll Größe. Anders als bei Großserien-Herstellern sind die Ben-e-Bike Räder von vorneherein für Kinder konzipiert,

Modelle für Erwachsene gibt es bei diesem Hersteller nicht. Die Bikes werden nach den spezifischen Anforderungen von Kindern und Jugendlichen konzipiert, auf Leichtigkeit und einfache Handhabung getrimmt, auch was Motor (leichter Heckmotor) und Akku (Flaschenakku mit kleinerem Energiereservoir) anbelangt. Optional können die Motoren sogar ferngesteuert werden. Interessant für den Verleih sind vor allem die Varianten mit 24 und 26 Zoll-Rädern. Das kleinste Modell, das Twenty E-Power für Kinder ab 115 cm Größe mit einem Gewicht von unter 10 Kilogramm! eignet sich für das Lernen etwa in der Gruppe und unter Aufsicht.

Ben-e-Bike twentyfour
Ben-e-Bike Twenty

https://www.ben-e-bike.net/modelle

 

Antriebe

 Die großen Marken haben allesamt diversifiziert und neue Motoren für E-MTBs herausgebracht oder die entsprechenden Modelle für diesen Einsatz ganz speziell angepasst. Manche haben z.B. mit dem FAZUA-Antrieb eine Leistungsanpassung nach unten vorgenommen, um dem natürlichen Bikegefühl näherzukommen und die Bikes leichter zu halten. Der Test des Focus Raven2 erscheint demnächst hier im Magazin.

Haibike dagegen ist den umgekehrten Weg gegangen und präsentiert nun eine E-MTB Serie namens Flyon, basierend auf dem brachialen TQ-Motor mit 120 Newtonmetern Drehmoment. Aufbauend auf einem Karbonrahmen mit höchster Integration – sogar die Beleuchtung ist in den Rahmen gewandert – finden sich etliche Neuentwicklungen wie z.B. der Geschwindigkeits-Sensor in der hinteren Bremsscheibe, der 18 Mal pro Radumdrehung die Geschwindigkeit  misst und dem Motor so Daten zur schnelleren Reaktion zur Verfügung stellt.

Haibike XDuro Alltrail 5.0

https://www.haibike.com/de/CH/flyon

 

YouMO mit neuem Motor

Neben ihren Modellen mit dem bewährten Go Swissdrive-Heckmotor bietet YouMO 2019 auch eine Allrounder-Serie mit Shimano Steps Mittelmotoren an. Das Modell City gibt es mit tiefem Durchstieg und dem Steps 6100 Motor, das Touren bzw. Mountain-Modell verfügt über ein nach hinten abfallendes Oberrohr und das Steps 8000 Aggregat. Beide weichen geringfügig vom Cruiser-Stil ab, sind dafür leichter und stärker am Berg. Trotzdem ist das YouMo Hauptmerkmal, die aufrechte und entspannte Sitzposition mit ihrer guten Ergonomik und guter Sichtbarkeit durch bullige Optik, noch immer gegeben.

YouMo DT City

 https://www.youmo.ch

 

Die Marke „Sachs“ erlebt eine Wiederauferstehung. Die Kooperation von ZF, Magura und BrakeForceOne mit BMZ als Partner kommt unter dem Namen Sachs Micro Mobility als Herausforderer auf den Markt. Der Motor soll überaus kraftvoll, dabei leicht, sehr leise und reaktionsschnell sein. Neu ist auch das integrierte ABS-System.

RS-Motor im Verbund mit Anti-Blocker System

https://www.sachsmicromobility.com/

 

Ebenso wie Sachs ist Metz ein klangvoller Name der Industriegeschichte der heutigen Metropolregion Nürnberg. Und so wie Sachs entdeckt auch Metz die zweirädrige Elektromobilität als neues Betätigungs- und Wirkungsfeld für sich und wirft seinen Hut in den Ring als Herausforderer der Antriebshersteller Bosch, Shimano und Co.

Bei Metz, und nicht nur dort, wartet man voll Ungeduld auf die angekündigte Verordnung zur Genehmigung von Elektro-Kleinstfahrzeugen durch den Bund. Das entsprechende Produkt, den Moover, einen City-Scooter, zeigte die Metz Mecatec GmbH aus Zirndorf auf der Messe, sowie auch das selbst entwickelte E-Bike Antriebs-System.

Neues Metz e-Bike Antriebssystem
Metz Scooter Moover

http://www.metz-mecatech.de

Soweit der Bericht von der Messe. Auf das eine oder andere vorgestellte Produkt werden wir in eigenen Beiträgen näher eingehen und wohl auch auf manche, die nicht in diesem kurzen Überblick auftauchen.

Text: Werner Köstle

Bilder: Aufmacher: Eurobike Pressebild, Bild 1: tern, Bild 2: XCYC, Bild 3: chike, Bild 4: Focus Bikes, Bild 5: Ibex Bikes, Bild 6: Amplerbikes, Bild 7: Ridetronic, Bild 8: Conway, Bild 9: Focus Bikes, Bild 10: Raymon, Bilder 11 u. 12: Ben-e-Bike, Bild 13: Haibike, Bild 14: YouMo, Bild15: Sachs Micro Mobility, Bilder 16 u. 17: Metz Mecatec

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