E-Auto für Camping-Gäste – ein Erfolgsmodell

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Hotel- und Campingplatz-Betreiber Armin Sigl aus Bad Birnbach e-mobilisiert die mobilsten der Mobilisten – die Camper. Seitdem der Niederbayer den konventionell motorisierten Leih-Mini durch einen BMW i3 ersetzt hat, ist dieser ständig „on Tour“. Und mit ihm immer mehr begeisterte neue E-Mobilitäts-Fans.

Camping-Gäste huldigen von Natur aus der Unabhängigkeit und Freiheit. Sie nehmen ihr mobiles Zuhause mit auf die Reise und sind so, unabhängig von Hotels und Buchungen, weitgehend ihr eigener Herr und in hohem Maße flexibel.  Das wollen sie auch am Ort ihrer Heimat auf Zeit, dem Campingplatz, sein.  Dort decken jedoch die häufig mitgenommenen Bikes ihr Mobilitätsbedürfnis nur zum Teil ab, Fahrten für Trips und Einkäufe müssen – etwa bei schlechtem Wetter – im großen Reisemobil oder dem Zugfahrzeug unternommen werden. Und damit sorgen sie für reichlich Abgas- und Lärmbelastungen direkt vor den Nasen und Ohren ihrer Mitcamper. Eine  eher suboptimale Situation – zumal für Frischluft-Fans.

Ladestation und „Unterkunft“ der Verleih-E-Bikes

Dass es ein cleverer Wettbewerbsvorteil sein kann, gerade Wohnmobil-Besitzern im Urlaub ein Fahrzeug für Ausflüge in die Region zugänglich zu machen, damit sie ihr mobiles Zuhause entspannt am Campingplatz stehen lassen können, darauf ist Campingplatz-Betreiber Armin Sigl schon vor sieben Jahren gekommen. 2010 kaufte der Niederbayer für seinen 5-Sterne Campingplatz Kur-Gutshof-Camping Arterhof in Bad Birnbach zur Vermietung einen Mini. „Damals war der Mini noch was Besonderes. Darauf sind die Leute angesprungen“, erinnert sich der 55-jährige Gastgeber.

Heute springen seine Gäste auf den BMW i3 an. Mit dem hat Sigl vor rund drei Monaten den Mini ersetzt. Erstens, weil Sigl selbst ein Riesenfan von E-Fahrzeugen ist: Auch er schwärmt von der tollen Beschleunigung und dem lautlosen Dahingleiten mit Elektromobilen. Zweitens legt er Wert auf einen sparsamen Umgang mit Ressourcen und Energie. „Ich setzte mich für die lokale und regionale Wertschöpfung ein“, sagt Sigl. Sein Hotel mit Naturhallenbad und Thermalaußenbecken mit original Bad Birnbacher Thermalwasser heizt er mit einer Hackschnitzelheizung. Statt Mais, wie so viele in der Region, hat er zur Energiegewinnung Pappeln angebaut. Strom produziert der 3-Generationen Betrieb mit einer 80 KW-Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach. Da bleibt auch Strom für das Aufladen elektrischer Fahrzeuge. Auch kulinarisch bleibt er seiner Linie treu. Im eigenen Hofladen gibt es selbstproduzierte Schmankerl vom eigenen Hof oder von befreundeten Regionalproduzenten: frisches Bauernbrot, Fisch, Schwarzgeräuchertes, Käse, Nudeln, Schnaps, Marmeladen und Chutneys, Honig und das von Oma Sigl selbstgeschriebenes Kochbücherl. Und im Restaurant „Sattelkammer“ im ehemaligen Roßstall servieren die Sigls unter anderem Spezialitäten vom selbstzgezüchteten Arterhof Galloway Rind. Selbstproduzierte Qualität und Nachhaltigkeit werden auf dem Arterhof groß geschrieben. Und das ist es, was die Gäste so schätzen und weshalb sie immer wieder und auch von weit hierherkommen.

Verschmitztes Marketing

Mit dem Elektro-Leihauto schließt Sigl, der außerdem sechs KTM-E-Bikes verleiht, seinen Angebots- und Energie-Kreis konsequent. Für 41 Euro pro Tag bei einhundert Freikilometern (jeder zusätzliche Kilometer kostet 50 Cent) leihen sich die Camping-Gäste den i3 gerne aus, etwa für Ausflüge nach Passau, Salzburg, an den Chiemsee, nach Traunstein, München oder Regensburg. Und das mit großem Erfolg: De facto stand der silberfarbene Flitzer nicht einen Tag still, seit ihn Sigl (gebraucht) im September gekauft hat. Er wird weit öfter ausgeliehen als sein Vorgänger. Sogar wochenweise war er schon vermietet.

„Meine Gäste sind begeistert. Sie loben das geräumige Platzangebot und das neue, einmalige Fahrgefühl, besonders bei der Beschleunigung“, erzählt er lachend. Für viele sei das E-Auto noch ganz was Besonderes. Für andere sogar die Zukunft. Nicht selten, dass Sigl nach einem Ausflug zu hören bekommt, dass der Gast nach dieser Erfahrung konkret den Kauf eines E-Autos plant. Das macht den 55-Jährigen stolz: „Ich mag es, die Leute neugierig zu machen und sie auf den e-mobilen Trichter zu bringen, damit sie die Natur im lautlosen Dahingleiten genießen können“, sagt der „E-Missionar“ mit einem Augenzwinkern.

Mit einem vergleichsweise geringen Aufwand hat er drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: er bietet seinen Gästen ein besonderes Erlebnis, hat weniger Lärm und Abgase auf dem Campingplatz und tut ganz konkret etwas für die Akzeptanz der E-Mobilität und damit für die Entlastung der Umwelt. Ein Beispiel, das Schule machen sollte und sicher auch wird, wenn andere Campingplatz-Betreiber erst auf den e-mobilen Trichter gekommen sein werden.

 

Text: Alexandra Korimorth

Aufmacher: BMW i3 vor dem Roßstall

Bild 1: am Ladeplatz

Bild 2: Verschmitzte Aufklärung

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Alexandra Korimorth
Alexandra Korimorth lebt im und arbeitet aus dem Tegernseer Tal heraus. Schon während des Studiums der Neueren Deutschen Philologie, Theaterwissenschaften und Kommunikationswissenschaften war sie als freie Journalistin im Bereich Kultur tätig. Nach ihrer Tätigkeit als Pressesprecherin für eine der größten internationalen Gewerbeimmobilienmessen fand sie zurück zum Tageszeitungs- und Magazin-Journalismus mit dem Fokus auf Kultur, Tourismus, Lifestyle und Kulinarik. Dabei verantwortete sie zwei Jahre die Chefredaktion eines bunten, regionalen Heimat- und Tourismusmagazins. Zum Thema Elektromobilität kam sie vor allem über die Erkenntnis, dass erfolgreiche Gastgeber, Kulturschaffende und Kulinariker sich faszinierend oft im Faible für E-Mobilität treffen. Sie ist überzeugt: „E-Friends liefern spannenden Stoff für spannende Geschichten.“

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