Elektrische Kleinstmobile demnächst auch in Deutschland legal unterwegs?

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In vielen Ländern gibt es sie, man kann sie kaufen und legal im Straßenverkehr bewegen. Die Erfahrungen mit elektrischen Kleinstmobilen, sogenannten PLEV – Personal Light Electric Vehicles, sind überwiegend positiv.

In manchen Ländern boomt der (touristische) Verleih-Markt mit E-Scootern bereits mächtig. Nun soll es nach langwierigen Zulassungsverfahren demnächst auch bei uns soweit sein.

Elektrische Kleinstmobile gelten als DER Schlüssel für die emissionsreduzierte Gestaltung innerstädtischen Individualverkehrs. Sie können überall mitgenommen, überall aufgeladen und mit allen anderen Verkehrsmitteln – individuellen sowie öffentlichen – kombiniert werden. Sie brauchen keinen Parkplatz und machen keinen Lärm – sie sind ein wichtiger, aber bisher vernachlässigter Bestandteil moderner, urbaner Mobilität.

 

Die Zeit drängt

Der Gesetzgeber ist einmal mehr unter Zeitdruck. Schon 2014 hat das damalige Bundesverkehrsministerium das Bundesamt für Straßenwesen (BASt) mit einer Untersuchung über die Möglichkeit, elektrische Kleinstmobile zuzulassen, beauftragt. Nach Vorliegen der Ergebnisse im Frühjahr 2017 wurden die Ergebnisse aber unter Verschluss gehalten. Jetzt aber scheint alles ganz schnell zu gehen. Die Marktsituation, Anfragen im Bundestag und die Notwendigkeit, einerseits die schon massenhaft verkauften Gadgets aus der Illegalität zu holen sowie deren Potenzial für die innerstädtischen Verkehrs- und Emissionsprobleme endlich nutzbar zu machen, bringen Verkehrsminister Scheuer arg ins Schwitzen.

 

Der Stand der Dinge

PLEVs lassen sich grob in zwei Klassen einteilen, in Stehroller mit Lenkstange einerseits und selbstbalancierende und/oder gleichgewichtsgesteuerte Ein- und Zweiräder (Hooverboards und Monowheels) und elektrische Skateboards andererseits.

Kleinroller mit einem Sitz sind bereits prinzipiell zulassungsfähig, sie werden als Kleinkrafträder, entsprechend ihrer jeweiligen Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit einzeln zugelassen, aber immer nur als Kraftfahrzeug.

Kleinroller ohne Sitz sollen nach der in Arbeit befindlichen Verordnung generell als Kraftfahrzeuge zugelassen werden, für Hooverboards, Monowheels und Konsorten wird noch nach einer Lösung gesucht.

 

Hindernisse

Bei den Stehrollern wird noch darüber diskutiert, wie eine Kennzeichnung für die versicherungspflichtigen Fahrzeuge aussehen soll. Zudem darüber, ob sie über eine Blinkanlage verfügen müssen, bekanntlich lassen sich diese Roller ja nur mit beiden Händen am Lenker kontrollieren. Auch die Nutzung der ohnehin schon überlasteten Verkehrsräume bringt Probleme. Wenn demnächst ein Schild den Kleinrollern die Radfahrwege öffnen sollen, dann sind diese engen und oft baufälligen Gassen mehrfach überbelastet: durch den zunehmenden Radverkehr, die Pedelecs und die Kleinroller. Alle haben unterschiedliche Durchschnittsgeschwindigkeiten – die Chancen für ein ordentliches Durcheinander stehen nicht schlecht. Und die Onewheeler und Hooverboards sollen gar auf den Gehwegen rollen, zusammen mit Fußgängern, Rollstuhlfahrern, Kinderrädern und und und.

Dazu kommt noch, dass Kraftfahrzeuge nicht im ÖPNV mitgenommen werden dürfen, womit sich ihre verkehrsentlastende Wirkung entscheidend vermindern würde.

„Kleinstelektrofahrzeuge frei“, so soll es bald auf Fahrradwegen heißen

Klagen allerorten

Warnungen kommen jedenfalls aus allen Richtungen. Der ADFC warnt vor katastrophalen Zuständen auf den Radwegen, die Versicherungswirtschaft und Verkehrswissenschaftler vor massenhaften Unfällen, der TÜV vor überstürzten Entscheidungen sowie einer Überregulierung und Polizei und Fußgängerverbände und –Initiativen vor einem Bürgerkrieg auf dem Bürgersteig. Andererseits kann es den Herstellern sowie den startbereiten Sharing-Dienstleistern, vielen Politikern und Befürwortern der Emobilität mit der Zulassung verständlicherweise nicht schnell genug gehen.

Ende 2018, wie noch vor Wochen angekündigt, kommt nichts mehr – das ist klar. Aber auch ein Termin Anfang 2019 wird  – angesichts der hier nur angedeuteten komplexen Sachlage – nur schwer zu halten sein. Warten wir es ab.

 

Text: Werner Köstle

Bilder: Aufmacher: SEAT, Bild 1 BMVI

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Werner Köstle
Werner Köstle lebt in München. Nach dem Studium der Philosophie absolvierte er eine Management-Ausbildung und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der TU München. Im Jahr 2000 übernahm er die technische Leitung eines Unternehmens zur Entwicklung elektrischer Leichtfahrzeuge für den professionellen Einsatz. Danach tätig als freier Redakteur und Berater. Als Mitbegründer der Agentur ist er seit 2014 bei Touremo als verantwortlicher Redakteur und eMobility-Berater.

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