Bei Anruf: Elektrokatze

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Die ersten zehn produzierten Serienexemplare des mit Spannung erwarteten Jaguar i Pace landeten – man höre und staune – nicht etwa in blühenden eMobility-Cities wie Amsterdam oder Oslo, sondern ausgerechnet in der bayrischen Landeshauptstadt. Genauer gesagt, beim Münchner Taxi Zentrum (mtz).

„Wir haben uns gleich nach der Absichtsbekundung, einen Stromer zu entwickeln, bei Jaguar gemeldet und unser Interesse bekundet Seitdem sind wir beständig am Ball geblieben“ berichtet Gregor Beiner, mtz-Geschäftsführer, der die Kooperation mit dem Hersteller ausdrücklich lobt. „Beide Partner wollten, daher ging es am Ende ganz schnell.“ Eine Win-win-Konstellation für den Autobauer, der in München eine „Boutique“ unterhält und die Stadt als relevanten Zielmarkt betrachtet, und einem Unternehmen, das schon seit Jahren an der Elektrifizierung seiner Flotte arbeitet und gezielt nach einem geräumigen, bequemen „Vollstromer“ gefahndet hatte.

Unterstützt wurde das Projekt zudem durch ein E-Taxi-Förderprogramm der Stadt München, das jeden mit einem Fahrgast zurückgelegten Kilometer mit 20 Cent bezuschusst.

„Fünfte Kolonne“ der Elektromobilität in München

Seit Ende August kommen nun speziell geschulte E-Fahrer und ihre Kunden in den Genuss des leisen Schleichens und – bei Bedarf – dynamischen Sprintens der edlen Katze. Ein erstes Zwischenfazit fällt ausgesprochen positiv aus: Die Fahrer identifizieren sich voll und ganz mit dieser zeitgemäßen Form des Chauffierens und mit ihrem E-Driver-Job. Karsten Theinert, ein Münchner „Taxler-Urgestein“, schwärmt fast euphorisch von seinem neuen Arbeitsplatz, den er als wohltuende Ruheoase empfindet. „Das schönste ist jedoch die Begeisterung der Fahrgäste, die häufig nicht wissen, welche Art von Fahrzeug sie gerade bestiegen haben und dann erstaunt feststellen, welche besondere Qualität elektrisches Fahren besitzt. Gespräche über das Wetter sind seitdem zur seltenen Ausnahme geworden.“

Schon haben auch die ersten Münchner Hotels erkannt, welche Chancen für ihre Profilierung als innovative und nachhaltige Destination in einer Kooperation mit dem Elektro-Taxi-Anbieter liegen. „Als zertifiziertes Unternehmen mit dem Siegel „Gesicherte Nachhaltigkeit“ ist es für uns die logische Konsequenz, unseren Gästen eine ökologische Alternative an Mobilität anzubieten. Die Eco- und neuerdings die E-Taxis kommen bei H’Otello regelmäßig zum Einsatz und erfreuen sich bei unseren Gästen immer größer werdender Beliebtheit“, berichtet Ines Fuzio, Leitung Presse bei H’Otello / H’Group.

Der Autobooker, das innovative Buchungstool mit E-Taxi-Funktion

Die beiden Münchner Super 8 Hotels der Wyndham-Gruppe können sich bei der Vermittlung von E-Fahrten nun sogar eines neuen, innovativen Tools bedienen. Beim sogenannten „Autobooker“ handelt es sich um ein von der „Isarfunk“-Taxizentrale entwickeltes, kompaktes elektronisches Gerät, über das Rezeptionisten/-innen abfragen können, wann welche Art von Taxi eintreffen würde und dieses über eine Mobilfunkverbindung schnell und bequem buchen. Das Produkt hat sich bewährt und ist bei einer ganzen Reihe von Münchner Hotels bereits im Einsatz. Neu ist jedoch das nun programmierte Merkmal  „E-Taxi Chance“. Das System folgt dabei einer logischen Nachhaltigkeits-Kaskade, indem einem Gast, dem die errechnete und angezeigte Ankunftszeit eines von insgesamt 14 E-Taxis ggf. zu spät ist, automatisch auf die Stufe „Eco-Taxis“ umschaltet. Erst wenn auch ein solches Hybid-, Erdgas- oder effizientes konventionelles Fahrzeug nicht im gewünschten Zeitraum eintreffen würde, wird die Buchung eines „normalen“ Taxis veranlasst.

„Wir freuen uns über diese zusätzliche, unkomplizierte Möglichkeit, unseren Gästen dank des neuen Autobooker Systems ein besonderes Mitfahr-Erlebnis zu vermitteln“ berichtet Grit Vinzens, General Manager des Super 8 Munich North Hotels. Weiterer Nebeneffekt: Die MitarbeiterInnen an der Rezeption werden durch die E-Taxi-Anzeige im Display stets an die Möglichkeit erinnert, dem Gast diese besondere E-Offerte anzubieten. Geplant ist zudem die Platzierung eines Werbe-Aufstellers am Hotelschalter. Denn von ganz allein werden im Moment wohl noch die wenigsten Gäste auf die Idee kommen, nach einem E-Taxi zu fragen.

Fazit:

Viele Umwelt-Maßnahmen eines Hotels – von der Verwendung verträglicher Materialien bis zum Einsatz effizienter Energiesysteme – bleiben der Aufmerksamkeit des Gastes verborgen. Ganz im Gegensatz zu e-mobilen Einrichtungen und Offerten, die ein deutlich wahrnehmbares Symbol für den Innovations- und Nachhaltigkeitsanspruch eines Hauses darstellen. Bedingt durch die bevorstehende größere Verfügbarkeit an E-Autos mit höheren Reichweiten und dem dynamischen Ausbau von Schnell-Ladestationen an Autobahnen, wird eine – möglichst intelligente – Lademöglichkeit für (teil-)elektrische Gäste- und Mitarbeiterfahrzeuge bald schon zum Standardportfolio von Destinationen gehören. Auch die Vermietung von elektrischen Fahrzeugen wie Roller, Scooter oder Autos fassen immer mehr Gastbetriebe ins Auge, da diese noch etwas Außergewöhnliches sind und ein entsprechendes Aufmerksamkeitspotenzial garantieren.

Doch muss man längst nicht alle E-Angebote selbst kreieren. Gerade Stadthotels, die hauptsächlich von Geschäftsreisenden mit relativ kurzer Verweildauer gebucht werden, bietet sich durch die Kooperation mit E-Taxi-Anbietern die Möglichkeit, ihren Gästen besondere Mitfahr-Erlebnisse zu vermitteln und dabei ihr Image als modernes Haus zu pflegen.

 

Text: Peter Grett

Bilder: Aufmacher und Bild 2: Anett Tobies, Bild 1: Münchner Taxi Zentrum

 

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Peter Grett
Peter Grett beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich mit allen Fragen der Elektromobilität. Nach dem Studium der Pädagogik und (Wirtschafts-)Psychologie bereits Mitte der 90er Jahre als Geschäftsführer eines E-Fahrzeug-Entwicklungsunternehmens tätig, gehört er zu den eMobility-Pionieren in Deutschland. Der Mitbegründer des Bundesverbands eMobilität blieb als Marketingleiter und Berater verschiedener Elektrofahrzeug-Unternehmen, später als Chefredakteur, freier Journalist und Autor dem Thema bis heute treu. Peter Grett ist mittlerweile ein international gefragter Experte und Referent für die Implementierung der Elektromobilität im touristischen Umfeld.

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