Stromaufwärts – mit Steuervorteilen in die Offensive Teil I – Fahrzeuge

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Qualifizierte Mitarbeiter im Gastgewerbe zu engagieren wird immer mehr zu einer echten Herausforderung.  Manche Hoteliers greifen dabei zu einer innovativen Incentive-Maßnahme und offerieren Ihren Kandidaten E-Fahrzeuge für den Arbeitsweg.  

Von solchen Anreiz-Offerten profitieren nicht allein die Mitarbeiter, sondern ebenso die Hotelbetreiber. Durch einen positiven Nebeneffekt gewinnen sie nämlich zugleich begeisterte Fürsprecher für ihre e-mobilen Gäste-Angebote. Ein wichtiger Aspekt eines schlauen Marketings. Der Staat fördert solche Angebote, auch wenn er dabei nicht vorrangig Hoteliers als Adressaten im Auge hat.

Wichtig sind die staatlich gewährten Vorteile für alle Betriebe, die ihren Angestellten E-Fahrzeuge für den Arbeitsweg, für Dienstreisen und private Fahrten zur Verfügung stellen. Ebenso für Betriebe, die Lademöglichkeiten für Privatautos von Mitarbeitern vorhalten. Geladen wird in der Regel am Arbeitsplatz und/oder zuhause beim Mitarbeiter.

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Neueste Regelungen ab 1.1.2019

Der Finanzausschuss des Bundestags hat den Gesetzentwurf der Regierung zur Änderung steuerlicher Vorschriften mit einigen Änderungen gebilligt (Drucksache 19/5595). Die Zustimmung des Bundesrates erfolgte Ende November 2018. Ein Teil des Entwurfs ist für die Elektromobilität von großem Belang:

Achtung: Alle folgenden Regelungen stehen unter dem Vorbehalt der „Zusätzlichkeits-Voraussetzung nach den Lohnsteuer-Richtlinien 2015 R 3.33 Absatz 5. Das bedeutet, dass jede der genannten Vergünstigungen nur dann greift, wenn sie zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn, als freiwillige Leistung erbracht wird. Das kann z.B. anstelle der Auszahlung von Weihnachtsgeld der Fall sein, nie aber, wenn eine dieser Leistungen als Teil des arbeitsrechtlich geschuldeten Lohnes in Form einer Sachzuwendung erfolgt.

 

Dienstwagen-Privileg: Versteuerung des „Geldwerten Vorteils“

Elektrische Kraftfahrzeuge im Mitarbeiter-Modell werden ab 1.1.19 bis 31.21.2021 nur noch mit 0,5 Prozent des Listenpreises, auf volle 100 EURO abgerundet, versteuert. Das gilt für Autos mit entsprechendem Erst-Zulassungsdatum, aber auch für E-Bikes, Roller oder Mopeds, und schnelle Pedelecs sowie für Lasten-E-Bikes, die als Kraftfahrzeuge eingestuft sind. Und ebenso für E-Motorräder.

Als elektrische Autos gelten auch wasserstoffbetriebene Fahrzeuge und Plug-In Hybride, wenn ihre elektrische Reichweite nach Herstellerangabe mindestens 40 Kilometer ohne Zwischenladung beträgt oder sie weniger als 50 Mikrogramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Voraussetzungen: Es liegt auch, aber nicht überwiegend, private Nutzung vor. Zudem muss diese Leistung zusätzlich zum Arbeitslohn, als geldwerter Vorteil, erfolgen; ist diese Leistung schon integrierter Bestandteil des Arbeitslohns (bei Entgeltumwandlung), fällt diese Förderung weg.

Auch die steuerliche Belastung auf die Fahrten zwischen Heim und Arbeitsstätte, die bei Verbrennungs-Fahrzeugen 0,03 Prozent des Listenpreises pro Kilometer und Monat beträgt, wird halbiert. Diese Aufwendungen können als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Die Halbierung gilt auch bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode. Für vor dem 1.1.19. zugelassene Fahrzeuge gelten die bisherigen Vorschriften zum Nachteilausgleich weiter.

Achtung: Die Umweltprämie auf den Listenpreis beim Kauf mindert die Steuerlast nicht, der Listenpreis für das Fahrzeug plus Sonderausstattung vor Abzug aller Prämien ist maßgeblich. Auch eventuell gewährte Rabatte haben keinen Einfluss auf die Bemessungsgrundlage.

Grund für die steuerliche Erleichterung ist der nach wie vor schleppende Absatz von Elektro-Autos aufgrund der im Vergleich zu konventionell angetriebenen Fahrzeugen höheren Einstandspreise sowie die Tatsache, dass mehr als 60 Prozent aller Neuzulassungen auf gewerblicher Basis erfolgen, bei E-Autos aber nur ca. 44%. Die Regierung erhofft sich durch diese Regelung mittelfristig auch eine Ankurbelung des Gebrauchtwagenmarkts.

 

UPDATE vom 20.02.2019

Laut Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll die 0,5 Prozent-Regelung über das Jahr 2021 hinaus verlängert werden. Vielleicht wird die Regelung sogar bis zum Jahr 2029 gelten. Zudem denkt Scholz über eine Erweiterung des Steuervorteils auf „Lieferwagen“ für die  innerstädtische Logistik nach. Für Plug-In Hybride soll die Regelung bezüglich deren rein elektrischer Reichweite dagegen verschärft werden.       Quelle: Spiegel Online

UPDATE vom 08.04.2019

Die Pläne des Bundesfinanzministers werden konkreter. Die Steuerleichterungen für Kfz wie für Fahrräder und Pedelecs sollen bis Ende 2029 prolongiert werden. Lieferwagen sollen über eine Sonderabschreibung von 50 % auf den Anschaffungspreis im ersten Jahr sogar günstiger werden als ihre verbrennungsmotorischen Pendents. Auch das Leasing soll finanziell gefördert werden.         Quelle: Spiegel.de

 

Fahrräder und Pedelecs: Keine Besteuerung der Privatnutzung

Für Pedelecs gilt, dass für Betriebsräder und über den Arbeitgeber finanzierte Mitarbeiter-Räder die Privatnutzung dauerhaft nicht mehr der Besteuerungspflicht unterliegt.

Seit der Ausweitung des „Dienstwagenprivilegs“ auch auf Fahrräder und Pedelecs 2012 wurde jeden Monat auf das Steuerbrutto ein Prozent des Anschaffungspreises, abgerundet auf 100 Euro, zum Ausgleich für den privaten Nutzungsanteil  aufgeschlagen. Dies bedeutet, dass sich etwa bei einem Listenpreis von 2.699 Euro das Steuerbrutto um 26 EURO im Monat erhöhte. Das fällt nun, im Unterschied zu den Kraftfahrzeugen, komplett weg. Allerdings gilt auch hier, dass die Regelung nicht greift, wenn ein Teil des Lohns statt in Geld in Form einer Sachleistung, eben z.B. als Leasingrate für das Bike bezogen wird.

 Grund dieser Neuregelung ist, dass Arbeitnehmer, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, dafür belohnt werden sollen. Bislang war derjenige, der Auto- durch Radfahrten ersetzte, steuerlich benachteiligt. Belohnt wird damit auch die Emissionsreduktion vor allem im städtischen Umfeld durch die Wahl des Verkehrsmittels Rad/Pedelec.

 Dazu bemängelt Holger Tumat, Geschäftsführer von Jobrad, dass dieser Vorteil in der Praxis kaum zum Tragen kommt, weil fast alle der derzeit ca. 250.000 Mitarbeiter-Räder in Deutschland über eine Gehaltsumwandlung finanziert werden und die Neuerung auf diese deshalb nicht anzuwenden ist. Im Endeffekt bleibt es damit für fast alle bestehenden Verträge bei der „Ein-Prozent“- Regelung und damit bei einer realen steuerlichen Benachteiligung von Dienstfahrrädern.

 Achtung: Dienstfahrräder sind nur steuerfrei, wenn ihr privater Gebrauch einen geldwerten Vorteil als Lohn-Zusatzleistung darstellt.

Anmerkung: Die Regelungen gelten sinnentsprechend auch für Selbständige und Gewerbetreibende.

 

Kfz-Steuer:

Schon seit zwei Jahren gilt, dass Elektroautos rückwirkend auf 2011auf zehn Jahre Dauer von der Kfz-Steuer befreit sind.

Plug-In Hybrid Fahrzeuge werden mit batterieelektrischen gleichgestellt, wenn sie nach Herstellerangabe entweder 40 Kilometer ohne Zwischenladung rein elektrisch zurücklegen können oder weniger als 50 Mikrogramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sind den batterieelektrischen gleichgestellt.

Anmerkung: Bei beiden Angaben wird von den Autoherstellern getrickst.

Die Einbeziehung von Plug-In Hybriden in die Vergünstigungen wird allgemein kritisch gesehen, da diese zum Einen vor allem im hochpreisigen Fahrzeug-Segment beheimatet sind und in der Praxis überwiegend im konventionellen Antriebsmodus betrieben werden.

 Anmerkung: Auch geldwerte Vorteile bei der Benutzung Öffentlicher Verkehrsmittel (ohne Flüge) sind ab 2019 steuerbefreit.

Fazit

Alles in allem bedeuten die Steuererleichterungen einen nicht zu unterschätzenden Anreiz für die Anschaffung von Elektromobilen für den gewerblichen Einsatz. Einsparpotenziale von mehreren hundert Euro im Monat sind nicht selten. Die entsprechenden Passagen in den Arbeitsverträgen müssen eindeutig formuliert werden. Es sollte auf alle Fälle ein Steuerberater hinzugezogen werden.

Text: Werner Köstle

Bild: Sonnen GmbH

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Werner Köstle
Werner Köstle lebt in München. Nach dem Studium der Philosophie absolvierte er eine Management-Ausbildung und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der TU München. Im Jahr 2000 übernahm er die technische Leitung eines Unternehmens zur Entwicklung elektrischer Leichtfahrzeuge für den professionellen Einsatz. Danach tätig als freier Redakteur und Berater. Als Mitbegründer der Agentur ist er seit 2014 bei Touremo als verantwortlicher Redakteur und eMobility-Berater.

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