Geld für Strom – Vehicle to Grid wird bald zur interessanten Option

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Mit dem eigenen E-Auto Geld verdienen, wenn es steht, das steht als Vision schon länger im Raum. Denn ein Auto-Akku ist ein Energiespeicher, der prinzipiell auch netzdienliche Services zu leisten im Stande ist. Dafür gab es bislang aber enge Grenzen, technische, rechtliche und organisatorische.

In Hagen lief vergangenen Oktober ein Pilotprojekt zu dieser Frage an, angestoßen von dem Technologieunternehmen The Mobility House unter Verwendung einer CHAdeMO Schnellladesäule und einem Nissan Leaf. Projektpartner waren der Übertragungsnetz-Betreiber (ÜNB) Amprion und der Hagener Energieversorger ENERVIE. Dabei sollte der Leaf-Akku einen Teil seiner Speicherkapazität dem Netz als Primärregelleistung (PRL) zur Verfügung stellen.

Mit den zur Verfügung gestellten acht Kilowatt Leistung aus dem Leaf-Akku konnten in einer Woche immerhin 20 EUR erwirtschaftet werden. Macht hochgerechnet jährlich in Summe an die 1.000 EUR pro Fahrzeug.

Die Voraussetzungen dabei sind von technischer Seite ein V2G-fähiges Ladesystem, dazu ist bisher nur CHAdeMO in der Lage, ein intelligentes Lade- und Energiemanagement, dieses steuerte The Mobility House zu, sowie organisatorisch die Präqualifikation eines Elektroautos für die Bereitstellung von Primärregelleistung.

.Damit waren die regulativen Voraussetzungen des Übertragungsnetz-Betreibers erfüllt, den Leaf als mobiles Großkraftwerk zur Netzstabilisierung zu präqualifizieren. Nach Abschluss der Pilotphase befindet sich das Fahrzeug nun im Kraftwerks-Regelbetrieb.

Nissan plant, dieses System noch im laufenden Jahr bei weiteren Gewerbekunden einzusetzen.

Noch ist diese Lösung ein wenig entfernt vom Kundenmarkt, insbesondere der Versorgerstatus des Rückspeisenden bedarf einer praktikablen gesetzlichen Lösung, und noch sind die Kosten unwirtschaftlich hoch. Dennoch wird die Sache in naher Zukunft für Hotels mit einer Betriebs- Mitarbeiter-Fahrzeugflotte oder mit elektrischen Vermietfahrzeugen zu einer interessanten Möglichkeit des „Nebenerwerbs“ werden.

www.mobilityhouse.com

Anmerkung:

Als Regelleistung bezeichnet man das zur-Verfügung-Stellen von Leistungsreserven für die Stabilisierung der Netzfrequenz. Weicht die Frequenz über einen festgelegten Korridor, das Totband, ab, springt sofort die Primär-Leistungsreserve an. Diese muss innerhalb von 30 Sekunden zur Verfügung stehen und mindestens 15 Minuten, bis zum Einspringen der Sekundärregelleistung, gehalten werden können. Das erfolgt automatisch, gesteuert durch den Anbieter anhand der Frequenzabweichung. Er muss dazu bei einem Übertragungsnetzbetreiber präqualifiziert sein. Erstattet wird dem PRL-Anbieter nur der Leistungspreis über die vereinbarten Zeiten der Bereitstellung, der im Rahmen eines Angebotsverfahrens mit dem ÜNB vereinbart wurde.

 

Text: Werner Köstle

Bild: The Mobility House

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