Auch Ford jetzt unter Strom

0
823

Wir waren dabei, als Ford unter dem Motto „Go Further“ kürzlich in Amsterdam seine Elektrifizierungsstrategie für Europa präsentierte. Oder sollte man besser sagen, seine Hybridisierungspläne? Egal, Ford ist nun immerhin im E-Zeitalter angekommen.

Ford hat einen guten Namen als Hersteller von Elektrofahrzeugen – in Amerika. Hierzulande bildete man mit dem Focus electric als einzigem BEV mit gerade einmal 34 Exemplaren im Jahr 2018 das Schlusslicht der E-Zulassungsstatistik. Das in Europa ab Anfang 2013 erhältliche Modell fuhr mit seinen reellen 120 Kilometern Reichweite, der maximalen Ladeleistung von 7,4 kW über Typ 1 Stecker und dem platzraubenden Akku der Konkurrenz weit hinterher. Das änderte sich auch nicht, als ab 2017 die Akkukapazität von 23 auf 33,5 kWh, die Reichweite auf knapp 200 Kilometer stieg und die flach am Unterboden montierten Akkus auch schnellgeladen werden konnten.

Alles wird gut!

Schnee von gestern, bald wird die gesamte Modellpalette unter Strom gesetzt. Erstaunlich, war doch lange nichts von Elektrifizierungsplänen zu hören. Nun der große Knall, perfekt inszeniert im hippen Ambiente einer ehemaligen Zuckerfabrik. „Jede Baureihe wird künftig mit einer elektrifizierten Version auf den Markt kommen“ verkündete Stuart Rowley, Präsident von Ford Europe. Immerhin betrifft dies in naher Zukunft 16 Modelle, angefangen beim Fiesta bis hin zum Transit.

Bei genauerer Betrachtung ist jedoch festzustellen, dass mit der Fordschen E-Strategie zu großen Teilen Maßnahmen verbunden sind, die von anderen Herstellern längst umgesetzt wurden. So sind die vielen, mit großem Pomp angekündigten, Mild- und Vollhybride eigentlich ein „alter Hut“, aber nicht jeder Hersteller muss sich schließlich in der Rolle eines Vorreiters sehen. Immerhin werden auch Plug-in-Hybride und Elektroautos schon bald zum Modellportfolio gehören.

Die Modellpalette

Wie breit gefächert das E-Angebot von Ford künftig sein wird, lässt sich am besten bei der neuen Generation des Bestsellers Kuga ausmachen, der Anfang 2020 auf den Markt kommen wird. Den kleinen SUV gibt es künftig in drei verschiedenen Hybrid-Optionen:

Als Mild-Hybrid, bei dem es durch den Einsatz eines von einem Zahnriemen angetriebenen Starter-Generators anstelle der Lichtmaschine möglich wird, Bremsenergie in einen luftgekühlten 48 Volt-Batteriepack zu speichern. Damit wird der Turbodiesel mit zusätzlichem Drehmoment versorgt und auch die Einsatzmöglichkeiten des Start-Stopp-Systems werden erweitert.

Der Voll-Hybrid wird Ende 2020 wahlweise mit Front- oder mit Allradantrieb erhältlich sein und laut Hersteller einen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Liter aufweisen.

Erfreulich: bereits mit der Markteinführung wird es den Kuga Plug-in Hybriden geben, der etwa 50 Kilometer rein elektrisch zurücklegen wird. Das System umfasst einen Vierzylinder-Benziner, einen elektrischen Generatormotor und eine Batterie mit 14,4 kWh Ladekapazität.

Genug der technischen Details, unsere Leserinnen interessiert vor allem, wann sie welche (teil-)elektrischen Modelle von Ford bekommen können.

Der komplett neu entwickelte, mächtige 5-Meter-SUV Explorer schlägt bereits zum Jahresende 2019 als Plug-in Hybrid auf dem europäischen Markt auf. Mit satten 450 PS als Gesamt-Systemleistung, 10-Gang-Automatikgetriebe, intelligentem Allrad- und Offroad-Management-System, modernsten Assistenzsystemen und 10,1-Zoll-Touchscreen. Rund 40 Kilometer soll man damit rein elektrisch angetrieben unterwegs sein.

ie achtsitzige Großraum-Limousine Tourneo Custom PHEV ist ebenfalls Ende dieses Jahres erhältlich. Mit einer E-Range von etwa 50 Kilometern und, falls der 1,0-Liter-EcoBoost-Benzinmotor als Range Extender, d.h. Stromgenerator, genutzt wird, mit einer Gesamtreichweite von rund 500 Kilometern. Antriebstechnisch gesehen also stets strombetrieben. Ein interessantes Kombi-Konzept von PHEV und Range Extender, bei dem der Strom sowohl von außen zugeführt als auch onboard erzeugt werden kann. Diese Technik kommt auch beim Transit Custom PHEV zum Einsatz.

Der Mondeo vereint sowohl als Limousine als auch als Turnier künftig eine Vollhybrid-Technologie mit einem sparsamen Atkinson-Benzinmotor, Fiesta und Focus wird immerhin eine Mild-Hybrid-Variante spendiert.

Und was ist mit einem rein elektrischen Mittelklassemodell oder gar Kleinwagen von Ford? Effizient und möglichst unter 40 000 bzw. 30 000 Euro zu haben? Vorerst noch Fehlanzeige! Dafür kommt im nächsten Jahr ein Hochleistungs-SUV als reines Batterieauto mit Mustang-Designanlehnungen und 600 Kilometern Reichweite. Und in 2021 steht dann auch ein neuer, rein elektrischer Transit  zur Verfügung.

Fazit

Erfreulich, dass man nun auch bei Ford die Zeichen der E-Zeit erkannt hat. Ebenso positiv ist zu bewerten, dass die Elektrifizierungsoffensive alle Modellreihen einbezieht, wenn auch zum Teil in eher bescheidenem Masse. Manche Lösungen und Antriebskonzepte sind einfach nur Standard, aber immerhin vernünftig, weil sie Verbrauch und Emissionen senken. Anderes hat durchaus innovativen Charakter, wie etwa die Technik des Tourneo PHEV. Und manches scheint, zumindest aus europäischer Sicht, reichlich aus der Zeit gefallen zu sein, wie der monströse Explorer und wohl auch der angekündigte batterieelektrische SUV.

Was bietet Ford speziell der Hospitality- und Tourismus-Branche?

Natürlich sind primär alle PHEV-Modellvarianten, die zumindest auf kurzen Strecken ausschließlich elektrisch fahren können, eine gute Option. Ist doch das betriebseigene oder Mitarbeiter-Fahrzeug, das am/im Hotel geladen wird, ein augenfälliges Symbol des Nachhaltigkeitsanspruchs und der Modernität des Hauses.

Insbesondere der Tourneo Custom PHEV bietet sich hier an und zwar als Betriebs- und Shuttle-Fahrzeug mit dem auch kleinere Gruppen von Gästen etwa vom oder zum Bahnhof oder Flughafen transferiert werden können. Wenn die Strecke nicht allzu lang ist, dann auch noch beeindruckend leise und emissionsfrei.

Auch dem elektrischen Transit kann man angesichts drohender Diesel-Fahrverbote bzw. der generell der Emissionsproblematik in den Städten sicher eine ausgezeichnete Perspektive attestieren. Für Lieferantenfahrten im Hotelbetrieb sicher eine hochinteressante Option.

Aber eben leider erst in zwei Jahren!

www.ford.de

Text und Bilder: Peter Grett

TEILEN
Vorheriger ArtikelMiniscooter — Verkehrsrechtliche Einordnung in Österreich
Nächster ArtikelNeues Jugend-Cross E-Motorrad von KTM vorgestellt
Peter Grett
Peter Grett beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren beruflich mit allen Fragen der Elektromobilität. Nach dem Studium der Pädagogik und (Wirtschafts-)Psychologie bereits Mitte der 90er Jahre als Geschäftsführer eines E-Fahrzeug-Entwicklungsunternehmens tätig, gehört er zu den eMobility-Pionieren in Deutschland. Der Mitbegründer des Bundesverbands eMobilität blieb als Marketingleiter und Berater verschiedener Elektrofahrzeug-Unternehmen, später als Chefredakteur, freier Journalist und Autor dem Thema bis heute treu. Peter Grett ist mittlerweile ein international gefragter Experte und Referent für die Implementierung der Elektromobilität im touristischen Umfeld.

Kommentieren Sie diesen Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here