Drei Fragen an Stefan Pagenkopf-Martin, Geschäftsführer der Parkstrom GmbH

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Die Parkstrom GmbH wurde 2012 gegründet und wird gemeinsam von Stefan Pagenkopf-Martin und Dr. Andreas Zumschlinge geführt. Der Ladedienstleister mit Sitz in Berlin fördert die Elektrifizierung des Straßenverkehrs durch die Schaffung von intelligenter Ladeinfrastruktur. Die Lösungskompetenz von Parkstrom liegt in Beratung, Installation sowie dem Betrieb von Ladeinfrastruktur und der eich- und messrechtskonformen Abrechnung von Ladevorgängen im öffentlichen und halböffentlichen Parkraum.

 

Frage: Auf welche Punkte sollte ein Hotel, das seinen Gästen Lademöglichkeiten anbieten will, besonders achten?

Jedes Hotel, das Parkplätze mit Ladesystemen für seine Kunden ausstatten will, steht zunächst vor der Entscheidung, welche Ladeleistung es den Kunden anbieten soll. Ladeleistungen von 11 bis 22 Kilowatt (AC) reichen in den meisten Fällen vollkommen aus, denn die Fahrzeuge der Kunden stehen meist mehrere Stunden. Bei größeren Hotels und solchen, bei denen die Kunden die Möglichkeit des Schnellladens erwarten, kann sich auch ein Gleichstrom-Schnelllader (DC Fast Charge) empfehlen, um das gehobene Publikum mit seinen leistungsstarken  Elektrofahrzeugen zufrieden zu stellen. Die Kosten für  die DC-Ladehardware, deren Installation und Betrieb sind allerdings vergleichsweise hoch, aber auch die möglichen Erträge zur Refinanzierung und die Anzahl der Ladesessions erhöhen sich durch diese Technik.

Der Preis der AC-Lade-Infrastruktur sollte bei der Konzeption nicht im Vordergrund stehen, sondern Qualität und Funktionalität. Teilweise erhalten touristische Unternehmen von Herstellern kostenlos Ladesysteme, die aber nicht gesteuert werden können, also nicht viel mehr als eine Steckdose sind. Das ist oft zu kurz gesprungen, denn die Freude daran endet, wenn sich die Strombezugskosten plötzlich drastisch erhöhen, was schnell mehrere tausend Euro ausmachen kann, wenn nämlich Lastspitzen entstehen, die sich die Netzbetreiber teuer bezahlen lassen. Ein Lastmanagement kann dies verhindern.

Wichtig ist bei Ladesystemen, bei denen Strom abgerechnet werden soll, zudem, dass sie dem deutschen Eichrecht entsprechen, d.h. für den Verkauf von Strom zugelassen sind. Die Abrechnung muss sich auf die konkret abgegebene Energie in Kilowattstunden beziehen,  Pauschalen und reine Zeittarife sind nicht erlaubt.

 

Frage: Kann ein Hotel mit Ladesystemen Geld verdienen?

Das kommt auf die Auslastung des Ladesystems an. Ein Hotel kann bei entsprechender Auslastung eines Normallladesystems ohne überhöhte Preise in ca. 3 bis 4 Jahren die Investitionskosten wieder einspielen und dann am Stromverkauf mitverdienen. Den Preis für den Ladestrom setzt das Hotel dabei selbst fest.

Hotels verdienen ihr Geld allerdings in erster Linie durch die Vermietung von Zimmern, Veranstaltungsräumen und über gastronomische Leistungen. Das Angebot an Lademöglichkeiten dient dazu, neue Gäste zu gewinnen und den bestehenden Kundenstamm zu sichern, wenn die Kunden auf Elektrofahrzeuge wechseln.

Die Wirtschaftlichkeit von Ladeinfrastruktur lässt sich natürlich leichter darstellen, wenn für die Ladesysteme Fördermittel in Anspruch genommen werden können. Dann müssen diese aber mit regenerativer Energie versorgt und öffentlich zugänglich sein, also von allen benutzt werden können, nicht nur von Hotelgästen. Zudem muss ein vertragsungebundenes (spontanes) Laden möglich sein. Für dieses auch Ad-hoc-Laden genannte Verfahren bringt man z.B. einen QR-Code an den Ladepunkten an. Der Kunde kann dann nach dem Einscannen des Codes im Internet den Ladevorgang starten. Bei manchen Lösungen kann er auch alternativ den Code der Ladesäule per SMS an den Betreiber senden und diese so freischalten. Aber mit dieser Ladeart sowie dem Laden mittels Karten oder Chips sind in der Regel hohe Zusatzkosten verbunden. Jeder der eingebundenen Dienstleister, wie Mobility-Service-Provider und Roaming-Dienste, möchte selbstverständlich mitverdienen. Das kann für den Kunden sehr teuer werden und negativ auf den Betreiber zurückfallen, der hiervon meist gar keine Kenntnis hat. Aufschläge von über 20 %  auf den Ladestrom sind nicht unüblich. Es gibt sogar Fälle, in denen der Mobility-Service-Provider, also der Herausgeber der Ladekarten, aus einem kWh-Tarif einen Zeittarif macht. Der Kunde erhält beispielsweise 20 kWh Energie im Wert von ca. 7,50 Euro, aufgrund des Zeittarifs zahlt er aber zwischen 30 Euro und 40 Euro. Aus diesem Grund befürworten wir die Lösungen mit Direktzahlung, wie das Giro-E. Da kommt so etwas nicht vor.

 

Frage: Wie funktioniert das Bezahlen über „Giro-E“ und wo liegen die Vorteile?

Sehr einfach. Der Kunde hält lediglich seine kontaktlose Girokarte an den Reader der Ladestation und der Tarif wird angezeigt. Durch weiteres Vorhalten der Girokarte akzeptiert er den Tarif und  startet den Ladevorgang. Die Bankkarte wird also zur (Universal-)Ladekarte. Man bezahlt den Strom genau wie Waren im Supermarkt oder das Hotelzimmer an der Rezeption, und ebenso sicher. Die Abrechnung erfolgt direkt über das Kunden-Bankkonto. Der E-Autofahrer hat nur eine geringe Startgebühr zu bezahlen. Roaming- und Providerkosten fallen weg. Heute gibt es bereits über 50 Millionen NFC-taugliche Bankkarten, in Ende 2020 hat praktisch jeder deutsche Bankkunde eine Ladekarte in Form seiner Bankkarte.

Bei dem Verfahren wird die bezogene Strommenge in Kilowattstunden direkt nach dem Ladevorgang angezeigt. Die Ladekosten erscheinen in der Regel zwei Werktage nach dem Ladevorgang auf dem Kontoauszug bzw. in den Kontoumsätzen. Der Kunde erhält zudem einen Weblink, mit dem eine detaillierte Abrechnung online abgerufen werden kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, nach einer Registrierung bei der Bank alle vorherigen Ladevorgänge einzusehen und eine Gesamtrechnung zu erzeugen.

Wir als Betreiber benötigen ein Bankkonto bei der GLS-Bank für die Gutschrift der Ladevorgänge. Das Hotel bekommt von uns monatlich eine Gesamtabrechnung und den Betrag  für den Ladestrom brutto ausgezahlt. Das Zahlungsausfallrisiko wird von der Bank übernommen. Die Transaktionskosten werden vom E-Fahrer durch den Starttarif getragen und sind überschaubar. Sie decken auch die Bankleistungen inklusive der Übernahme des Zahlungsausfallrisikos ab.

Das Direktbezahl-System hat übrigens auch den Vorteil, dass ein derzeit vieldiskutiertes umsatzsteuerrechtliches Problem gar nicht erst entsteht, das hohe finanzielle Schäden bei den Strom verkaufenden Betreibern, also z.B. den Hotels verursachen kann. Wenn sie nur den Nettobetrag aus dem Stromverkauf ausgezahlt bekommen, hierauf aber noch Umsatzsteuer zahlen müssen, kann das teuer werden. Diese Problematik haben nur wenige Betreiber “auf dem Schirm“, sie ist aber elementar. Mit dem Direkt-Bezahl-System entsteht diese umsatzsteuerrechtliche Problematik mit möglichen finanziellen Nachteilen für Hotels und andere Betreiber von Ladesystemen erst gar nicht – ein weiterer großer Pluspunkt.

www.parkstrom.de

Das Interview führte Werner Köstle
Bild: Parkstrom

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Werner Köstle
Werner Köstle lebt in München. Nach dem Studium der Philosophie absolvierte er eine Management-Ausbildung und arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an der TU München. Im Jahr 2000 übernahm er die technische Leitung eines Unternehmens zur Entwicklung elektrischer Leichtfahrzeuge für den professionellen Einsatz. Danach tätig als freier Redakteur und Berater. Als Mitbegründer der Agentur ist er seit 2014 bei Touremo als verantwortlicher Redakteur und eMobility-Berater.

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