Verzögerung des Inkrafttretens der Kaufprämie: Hersteller reagieren

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Da die Unterlagen zur Prüfung bei der EU-Kommission, die sie auf beihilferechtliche Konformität zu prüfen hat, noch nicht einmal eingegangen sind, warten viele Kunden noch auf das Inkrafttreten und kaufen derzeit kein E-Auto, was für Hersteller und Händler unangenehme Folgen hat. Als erster hat nun Renault reagiert.

So ist das, wenn man vollmundige Ankündigungen macht und dann keine Taten folgen lässt oder sich mit diesen verspätet: es gibt Ärger! Anfang November hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass der Kaufzuschuss für E-Autos steigen soll, und zwar schon Anfang des Jahres. Der Bonus soll dabei zu je 50 Prozent vom Staat und den Herstellern getragen werden. Dabei taucht ein Problem besonders beim „Basissatz“, den 6.000 Euro auf. Denn für kleine Hersteller, die besonders günstige E-Autos auf den Markt bringen wollen und auf kein größeres Portfolio, das womöglich noch Verbrenner-Modelle beinhaltet, zurückgreifen können, wird es bei der knappen Kalkulation sehr schwer, die dann zusätzlichen 1.000 Euro Herstelleranteil zu stemmen. Prof. G. Schuh, der mit dem eGo mit das preisgünstigste Angebot am Markt macht, sprach mehrfach von einer möglichen Existenzbedrohung für sein Unternehmen durch diese Erhöhung. Ähnliches gilt wohl auch für das Münchner Start-Up Sono Motors sowie für Street Scooter. Vermutlich sucht man nun in der Bundesregierung noch nach Lösungsmöglichkeiten, was natürlich die Einreichung bei der EU verzögert.

Die Folgen für die Hersteller und Händler, bei denen sich nun die E-Autos, die sie nun so dringend verkaufen müssten, um die Brüsseler Flottenverbrauchs-Vorgaben zu erfüllen, stapeln, sind schlimm. Die Halden erhöhen sich zudem, weil viele Hersteller offensichtlich mit der Auslieferung bis zum Neujahr warten wollten, weil jedes z.B. im Dezember ausgelieferte Auto ja für den Flottenverbrauch „verloren“ war.

Aber die Hersteller nehmen die Lage auch als Chance wahr, so etwa Renault. Die Franzosen übernehmen nun auch den Betrag, den der Bund über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ab 1.1.2020 eigentlich beisteuern sollte. Heißt, sie zahlen 4.000 Euro statt 3.000, und zwar solange, bis die neue Regelung „durch“ ist. Die Renault-Modelle ZOE und Kangoo Z.E. kosten also jetzt schon entsprechend weniger. Auch der Renault Master Z.E. profitiert von der Regelung, der „Renault-Anteil“ beträgt hier temporär 500 Euro mehr.

Noch weiter geht Hyundai, denn der Hersteller verdreifacht seinen Anteil am Bonus. So schießen die Koreaner beim Kauf eines Kona Elektro oder Ioniq Elektro jeweils 6.000 Euro zu den 2.000 von Seiten der BAFA zu, beim Ioniq Plug-in-Hybrid sind es 5.000 Euro.

In Summe erhält der Käufer eines Kona Elektro oder Ioniq Elektro also 8.000 Euro und eines Ioniq Plug-in-Hybriden 6.500 Euro, wenn er den staatlichen Anteil beantragt.

UPDATE vom 30.1.2020

Auch Nissan legt drauf
Wie Hyundai zahlt nun auch Nissan beim Kauf eines Leaf oder Leaf e+ gut 6.000 Euro „Beihilfe“, solange bis die neue Regelung in Kraft ist. Anders als beim koreanischen Konkurrenten muss aber ein Verbrenner-„Altauto“ dafür bei Nissan in Zahlung gegeben werden. Für den Tausch gibt es dann 1.600 Euro, dazu den aufgestockten Umweltbonus, mit dem BAFA-Anteil. Der Nissan-Anteil liegt dabei bei 3.570 Euro und wird temporär um weitere 1.000 Euro erhöht, was insgesamt 8.170 Euro ergibt. Voraussetzung für die Auszahlung ist die Vorlage eines BAFA-Förderbescheids bis spätestens vier Wochen nach Erhalt.

Beim Kauf eines e-NV 200 stehen 6.750 Euro zu Buche, die Anrechnung einer Inzahlungnahme ist hier nicht vorgesehen.


https://germany.nissannews.com/de-DE/releases/release-99c1f6070b2328b433a23d1ca400ea53-taten-statt-worte-nissan-stockt-heute-schon-die-umweltpramie-auf

UPDATE vom 31.1.2020

Wie electrive.net heute meldet, folgt auch KIA den anderen Importeuren und erhöht den Herstellerzuschuss beim Kauf eines e-Soul bzw. e-Niro auf 6.000 Euro.

Text: Werner Köstle
Bild: Renault, Hyundai, Peter Grett, Nissan

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