Citroën Ami – Französischer Freund als Smile-Catcher

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Kurz vor dem Lockdown hatte Citroën Ende Februar nach Paris geladen zur Weltpremiere seines elektrischen Kleinstmobils Ami. Jetzt, ein halbes Jahr später, durften wir den Cityzwerg in Berlin erstmals auch ausprobieren, was zu einem ganz besonderen Erlebnis geriet. Und das lag nicht allein an dem pfiffigen Fahrzeug selbst, sondern auch an den Reaktionen, die der französische Freund auslöste.

Echter Hingucker

Ob Touristen, heimische Autofahrer oder Pedalisten, viele kamen aus dem ungläubigen Staunen nicht mehr heraus, als sie die Miniaturausgabe eines „echten“ Autos bemerkten. Und ganz oft löste sich ihre Verwunderung über dieses sonderbare Gefährt auf in eine „Daumen hoch“-Geste oder man/frau beglückte den Fahrer mit einem fröhlichen Lächeln. Kein mitleidiges Grinsen nach dem Motto „na, haste ken Jeld jehabt für en richtjes Auto?“, nur gebannte Blicke und Begeisterung. Dabei waren es gerade die möglichen Reaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer, die im Vorfeld des Trips ein leichtes Unbehagen bereiteten. Stand doch die bange Frage im Raum, ob ein höchstens 45 km/h „schnelles“ Vehikel mit seinen gerade mal 6kW/8 PS nicht zum rollenden Hindernis mutiert, wodurch sein Pilot sich diverse Verwünschungen der Berliner Autofahrer einhandeln dürfte. Schon an der ersten Ampel zerstreuten sich derlei Bedenken, als der Winzling – typisch Stromer – zumindest auf den ersten Metern ein Sprintduell für sich entschied und bis zur nächsten Kreuzung locker im Verkehrsfluss mitschwamm. Was sich dann auch während der gesamten einstündigen Tour durch die City nicht groß änderte. Klar, in wenigen Momenten wünschte man sich die eine oder andere Pferdestärke mehr, aber in seinem „natürlichen Lebensraum“, der City, macht sich der Ami beim Ampelhopping nicht als lästiger Blockierer unbeliebt.

Keine zweieinhalb Meter lang, deutlich kürzer als ein Smart Zweisitzer, misst der AMI

Ami, ein Nicht-Auto

So nett es ist, neugierige Blicke auf sich zu ziehen, auch wenn diese eigentlich nur dem pfiffigen Gefährt um einen herum gelten, so kommt es in erster Linie doch auf den Eindruck an, den der Ami beim Fahrer hinterlässt. Bevor wir aber auf das Minimobil selbst eingehen, sei explizit darauf hingewiesen, dass der französische Freund, wie sein Name übersetzt besagt, kein Auto sein will, es auch gar nicht sein kann und somit auch nicht ist. Folglich gehört dieses Electric Light Vehicle (LEV) formal zur Familie der „leichten Vierradmobile für Personenbeförderung“ unter der Klassifizierung L6e-BP. Den Ami dennoch an herkömmlichen PKW zu messen, nur weil darin zwei Personen nebeneinandersitzen können und ein Dach über dem Kopf haben, wird dem Winzling nicht gerecht. Als ausschließlich urbanes Gefährt steht der kleine Franzose eher in Konkurrenz zu eRollern, S-Pedelecs oder eben zum altbekannten Renault TWIZY, gegenüber dem er jedoch deutlich mehr zu bieten hat. Zumal zu einem sensationell niedrigen Preis. Dieser liegt in Frankreich, wo der Ami bereits bestellt werden kann, in der Basisversion bei 6000 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. Schon ab 19,99 Euro im Monat und einer Anfangszahlung von 2600 Euro beginnen die diversen Leasingoptionen. In Deutschland sollen die erst noch bekannt zu machenden Preise auf einem ähnlichen Niveau liegen. Noch gibt es keine öffentlichen Förderungen für E-Fahrzeuge in der L6e-Klasse, nur in München können sich KäuferInnen ihr LEV-Vehikel mit 1000 Euro von der Stadt bezuschussen lassen. Apropos KäuferInnen: Citroën zielt mit seinem Kleinstmobil besonders auf eine junge Zielgruppe ab. Diese Klientel beginnt, dank der Einstufung des Ami als Leichtmobil bei 16 Jahren, in manchen Bundesländern sogar schon bei 15 Jahren. Voraussetzung ist der Besitz eines Führerscheins der Klasse AM. Wer weiß, vielleicht wird es bei dieser Altersgruppe in den Städten bald als cool gelten, statt mit einem Roller in einem vierrädrigen Eyecatcher unterwegs zu sein. Zumal da Wetterschutz und die Möglichkeit sich mit Mitfahrenden unterhalten zu können für Pluspunkte sorgen.

Front- und Heckpartie sind fast identisch, durch viele Gleichteile sinken die Produktionskosten

Besonderes Feeling

Beim Blick in den recht spartanisch geratenen Innenraum offenbart sich sogleich, was den Kleinen von einem Auto unterscheidet. AMI-Fahren bedeutet Fortbewegung pur, wurde doch, um den Preis möglichst niedrig zu halten, auf fast alles verzichtet, was Autofahrer an Annehmlichkeiten oder auch manchem zusätzlichem Schnickschnack gewohnt sind. Am deutlichsten wird dies an den minimalistischen Sitzen mit integrierter Kunststoffnackenstütze, die man getrost der „Holzklasse“ zuordnen kann. Besonders ältere Semester wie der Autor dieser Zeilen werden ob der ausgesprochen strammen Gesäßunterlagen wohl nicht gerade in Begeisterung ausbrechen, aber ihnen verschafft evtl. ein untergeschobenes Kissen ein kleines Plus an Komfort. Auch um die Wirkungen des gleichfalls straffen, man könnte auch sagen: beinahe ungefederten, Fahrwerks abzumildern. Vielleicht greift der Hersteller diese Idee ja auf und nimmt ein AMI-gebrandetes Pölsterchen in sein Zubehörprogramm. Spaß beiseite – ich entstieg dem Kleinstwagen nach einer guten Stunde Fahrt – und viel länger dürften auch die durchschnittlichen Touren bei einer maximalen Reichweite von 75 Kilometer nicht ausfallen – jedenfalls völlig schmerzfrei, hingegen ausgesprochen angetan von der elektrischen Cityrunde. Dafür sorge besonders die Wendigkeit des Gefährts, zu der seine kompakten Abmessungen (Länge: 2,41 Meter, Breite 1,39 Meter) und spezielle 14-Zoll-Räder beitragen. Dank eines Wendkreises von lediglich 7,20 Metern können etwa erspähte Parklücken auf der anderen Straßenseite spontan in einem Zug angesteuert werden. Darunter auch Mini-Lücken, die Autofahrer nicht im Entferntesten als solche identifizieren würden, denn schließlich darf man den Ami sogar zwischen zwei Fahrzeugen querparken.

zum Mitschwimmen in der Innenstadt reicht die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h

Ein besonderes, fast panoramaartiges Feeling vermittelt die große Fensterfläche bestehend aus Frontscheibe und der bis in die Fahrzeugmitte reichenden, serienmäßigen Dachverglasung, die eine angenehme Helligkeit erzeugen. Der Verzicht auf einen Rückspiegel im Innenraum trägt zusätzlich zur unverstellten Sicht bei, wenngleich sich die Geister scheiden, ob diese Maßnahme nicht doch etwas des Guten zu wenig war, zumal die Außenspiegel ausgesprochen klein ausfallen.

Diverse Ablagen im Lego-Style
Dem Zweck „angemessener“ Sitzkomfort

Die Beschleunigung aus dem Stand ist ausreichend flott, wenn auch nicht so brachial, wie bei größeren Stromern, die Lenkung lässt sich trotz fehlender Servo-Unterstützung ohne allzu großen Kraftaufwand betätigen. Die Bremsen, vorne Scheiben-, hinten Trommel-, packen, an der geringen Geschwindigkeit und Masse (471 kg) des Fahrzeugs ausgerichtet, ordentlich und nicht übermäßig bissig zu. Der Ami lässt sich an jeder herkömmlichen Haushaltssteckdose in drei Stunden vollladen. Für die Wallbox wird es einen speziellen Adapter geben, womit sich die Ladezeit allerdings nicht verkürzt.

Clevere Unterbringungsmöglichkeiten für’s Gepäck
Smartphone-Navigation ist möglich dank USB-Port

Einfache Materialien und pfiffige Details

Nicht nur den Innenraum beherrschen Teile aus hartem Kunststoff, auch die Karosserie besteht aus diesem – in hellem Blaugrau durchgefärbten – Material. Aus Gründen der Kosteneffizienz ist es absolut nachvollziehbar, dass Citroën bewusst auf hochwertigere Materialien verzichtet und sich für ein puristisches, aber zweckmäßiges Interieur entschieden hat. Wer jedoch seinen kleinen Freud individualisieren möchte, der kann auf eine ganze Reihe von Zubehörteilen bis hin zum Dachspoiler (!) am Heck zurückgreifen.

Außergewöhnlich und dabei praktisch sind die Bänder zum Zuziehen der Türen von innen. Eine weitere pfiffige Idee ist die Reminiszenz an die kultige „Ente“ in Form von nach außen hochklappbaren unteren Bereichen der Seitenscheiben.

EinZwerg vor prächtiger Kulisse

Erstaunlich: der Winzling setzt sich gerade mal aus etwa 250 Teilen zusammen, davon viele Gleichteile. So sind Vorderfront und Heck nahezu identisch, so dass sich auf den ersten Blick die Frage stellt, wo nun vorne ist und wo hinten beim Ami. Ebenfalls ungewöhnlich: die Tür auf der Fahrerseite ist hinten angeschlagen und öffnet sich somit nach vorne, die Beifahrertür wie gewohnt nach hinten. Durch das zwangsläufige Fehlen eines Kofferraums waren die Entwickler bei Citroën gezwungen, an mehreren Stellen kleinere Stauräume und Ablagen zu schaffen. Dies gelang etwa dadurch, dass man den Beifahrersitz relativ weit nach hinten platzierte und fest fixierte. Auf diese Weise war es möglich, im linken Bereich des Fußraums Platz zu schaffen. Optional kann dieses kleine Abteil mit einem Netz begrenzt werden. Auch hinter den Sitzen befinden sich noch Flächen für die Unterbringung kleiner Utensilien. Zudem haben die Konstrukteure relativ große Fächer in den Türen geschaffen.

Fazit

Fast alle größeren Automobilhersteller haben in der Vergangenheit immer wieder auf diversen Messen Konzeptstudien von elektrischen Kleinmobilen für den Einsatz im urbanen Bereich präsentiert. Doch dabei blieb es zumeist. Nun hat Citroën die (Klima-)Zeichen der Zeit erkannt und bietet mit dem Ami ein interessantes Serienfahrzeug an, das speziell auf die Mobilitätsbedürfnisse jüngerer Stadtbewohner zugeschnitten ist. Wer bei der Beurteilung des kleinen Franzosen keine üblichen Automaßstäbe anlegt, wird sich, nicht zuletzt aufgrund des hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses und des aufsehenerregenden Designs, für den Ami begeistern. Die Zeit scheint reif für innovative, umweltfreundliche Mobilitätsangebote und so bleibt zu hoffen, dass der französische Freund bald das Straßenbild der Innenstädte mit prägen wird.

Eignung für die Hospitality- und Tourismus-Branche

Wer als Betreiber eines Stadthotels oder Hostels für junge Gäste diesen ein besonderes, leicht zu bedienendes Mobil für City-Erkundungen verleihen oder gratis zur Verfügung stellen möchte, liegt mit dem Ami absolut richtig. Hinzu kommt, dass der kleine Franzose aufgrund seines außergewöhnlichen Aussehens ein echter Eyecatcher ist und damit prädestiniert als mobiler Werbeträger und Symbol des Nachhaltigkeitsanspruchs eines Gastbetriebs.

Jedes benzinmotorische Zugfahrzeug eines Wohnwagens und jedes Reisemobil, welches ein Camping- oder Glamping-Gelände verlässt und später retour kommt, weil seine FahrerInnen lediglich kleinere Besorgungs- oder Besichtigungstouren in die nächstliegende Kommune unternehmen, verursacht in unmittelbarer Nähe anderer Camper Abgas- und Lärmemissionen. Was liegt also näher, alternative Mobilitätsformen zu offerieren, durch die zumindest einen Teil dieser Fahrten lokal emissionsfrei gestaltet werden. Etwa indem die Campingplatz-Betreiber ihren Gästen “Amis“ zur Verfügung stellen. Der gewählte Plural ist hier angesichts der geringen Beschaffungs- und Unterhaltskosten durchaus mit Bedacht gewählt.

Text: Peter Grett
Bilder: Aufmacher: P. Grett, alle anderen: Citroen

www.Citroen.de

 

 

 

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