„Invasion“ der elektrischen Space-Shuttles

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Nun sind sie „gelandet“, die elektrischen Personentransporter.  Gemeinsam mit ihren Pendants für den Warentransport – wir berichteten – eröffnen sie neue Möglichkeiten etwa für umweltfreundliche Shuttlefahrten in Tourismus und Hotellerie. Und fast alle Hersteller sind dabei – bis auf die Asiaten, die mit Nissans eNV 200 allerdings schon länger ein geeignetes Angebot bereithalten. Und Nissan legt nun sogar nach.

Nach „Es darf eingeladen werden“ https://www.touremo-mag.com/2020/06/25/neue-e-transporter-es-darf-eingeladen-werden/  heißt es nun also „Zusteigen bitte!“. Dass die (Material-) Transporter die Schnelleren waren und die Personentransporter jetzt erst nach und nach gleichziehen, hat mehrere Gründe. Zunächst sind die Kistenbeförderer etwas unkomplizierter in der Konzeption und genügsamer, was die Reichweite betrifft. Vor allem aber war im Transportbereich, Stichwort letzte Meile, der Bedarf und damit der Druck auf die Hersteller wesentlich höher. Mussten die Transporter einem Wellenbrecher gleich über den Markt hereinbrechen, haben es die Vans da doch etwas einfacher und kommoder.

Größenmäßig bewegen wir uns jetzt, was Länge, Höhe und Zuladung betrifft, meist eine Klasse tiefer als damals. Sicher, auch etwa der Mercedes Sprinter in der Ausführung als Kleinbus gehörte eigentlich hierher, aber wiederum eben nur in der kleinsten Bemaßung. In dieser Klasse ist der EQV das Maß der Dinge (was die Abmessungen betrifft). Auch MAN und Iveco, beide bieten auch Kleinbusse an, habenaus diesem Grund in diesem Beitrag nichts verloren, ebenso, wenn auch aus anderen Gründen die Chinesen, die bezüglich der Warentransporter doch so rührig agieren. Denn Großraumlimousinen bieten diese hierzulande noch nicht an.

Fiat

Den E-Ducato gibt es bald auch in Deutschland als Kombi-Ausführung, mit optional 360 km Reichweite in der Top-Variante mit 79 kWh-Batterie ist er sogar der Reichweiten-Meister im Feld. Aber es gibt ihn auch mit 47-kWh-Batterie, dann schafft er immer noch 220 Kilometer, allerdings nach NEFZ-Modus ermittelt. Bis zu neun Personen fassen beide Varianten, der Motor leistet 90 kW, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 100 km/h abgeriegelt. Laden über AC mit bis zu 22 kW, DC mit 50 kW. Verfügbar wird er in zwei Längen und nur in der Hochdach-Ausführung sein. Die Preise beginnen bei 58.500 Euro.

E-Ducato Kombi

Renault

Die Franzosen führen das Feld der Shuttles an, sowohl vom Zeitlichen her als auch in der Menge. Chronologisch vorne lag Renault mit dem Kangoo Z.E. Maxi Kombi. Lange Jahre bestand das „Feld“ der Personentransporter nur aus ihm und dem Nissan eNV 200 Evalia. Aktuell ist eine stark überarbeitete Neuauflage unter der Bezeichnung „Concept“ angekündigt. Der jetzt erhältliche Kangoo Z.E. wird in zwei Längen angeboten, mit ca. 4,3 bzw. 4,7 Metern Länge, die Preise (kurze Version) beginnen bei 21.200 Euro plus mindestens 58 Euro Batteriemiete pro Monat (abhängig von der jährlichen Fahrleistung). Weitere Eckwerte: 44 kW Leistung, 130 km/h Spitze, Laden mit AC 4,6 kW, eine Schnelllademöglichkeit gibt es nicht.

Kangoo Z.E. Maxi

Die drei Musketiere

Die PSA-Gruppe hat nun das „Monopol“ des Kangoo als alleiniger Vertreter der Grande Nation gebrochen und mit dem Citroën ë-Spacetourer, dem Peugeot E-Traveller und dem Opel Zafira Life-e ein Triple auf den Markt gebracht, das auf der konzerneigenen Plattform basiert und dessen Vertreter sich nur unwesentlich voneinander unterscheiden. Bei allen drei kommt ein 100 kW-Antrieb mit einer 50 kWh oder 75 kWh Batterie zum Einsatz, die Reichweite liegt bei allen Modellen mit großer Batterie bei gut 300 Kilometern. Die Unterschiede der drei Brüder liegen in der Ausstattung und den Optionen.

Citroen e-Spacetourer

Der Citroën ë-Spacetourer ist in drei Längen (4,6; 4,95; 5,3 Meter) verfügbar, der Peugeot e-Traveller dagegen nur in den beiden längeren Versionen. Beide gibt es in Versionen, die für Familien ausgerichtet sind und als Varianten für den professionellen Einsatz. Diese heißen bei Citroën „Business“ und „Business Lounge“, bei Peugeot „Shuttle“, wiederum als „Business“ und „Business VIP“ Ausführung lieferbar. Beide Marken wollen noch 2020 auf den Markt kommen. Bei Citroën beginnt der Spaß bei 49.597 Euro (16 % MwSt), beim Peugeot beginnen die Preise bei 50.143 Euro (inkl. 16 % MwSt).

Peugeot e-Traveller

Bleibt noch Opel mit dem Zafira Life-e. Der kommt als Letzter des Trios auf den Markt, nämlich Anfang 2021, er ist aber schon seit einiger Zeit bestellbar, und zwar für 53.800 Euro, freilich ausgepreist mit 19% MwSt. Auch hier stehen drei Längen zur Auswahl, ganz profan genannt „Small“, „Medium“ und „Large“. Und auch hier gibt es bis zu neun Sitzplätzen und ebenso die Wahlmöglichkeit der höherwertigen „Lounge“-Ausstattung, allerdings nur bei den beiden längeren Versionen. Erhältlich ist er ab Werk auch mit Kupplung und 1.500 kg Zuglast (gebremst).

Opel Zafira Life-e

Was tut sich bei Volkswagen?

Dass man auf den ID-Buzz noch eine ganze Weile warten muss, ist hinlänglich bekannt. Derweilen vertreibt VW Nutzfahrzeuge (VWN) die vom Partner Abt elektrifizierten Modelle Caddy (in der Langversion) als Kombi für maximal fünf Insassen plus extralangem Laderaum für 31.800 plus MwSt. und den T 6.1, den VW-Bus in der Langversion als Midi-Van Caravelle Comfortline für 56.475 Euro. Beiden gemeinsam ist die elektrische Ausstattung mit 83 kW Antriebsaggregat und 37,3 kWh Akkukapazität. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90 bzw. optional 120 km/h, die Reichweite bei ca. 150 Kilometer. Geladen wird AC mit 7,2, DC mit 50 kW.

VW Abt e-Caddy
VW Abt T 6.1 e-Caravelle

Mercedes-Benz

Die V-Klasse nimmt schon lange den Platz des Premium-Shuttlefahrzeugs ein. Seit kurzem gibt es sie unter der Bezeichnung EQV auch als rein batterieelektrisches Modell, in zwei Längen und mit bis zu acht Sitzen. Die Reichweite beträgt gut 400 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit 160 km/h. Die Aufladung erfolgt mit 11kW AC und 110 kW DC. Der Einstiegspreis liegt bei knapp 59.990 Euro.

Mercedes EQV

Etliche Tausend Euro weniger müssen für das „Nutzfahrzeug-Derivat“, den eVito Tourer, über den Ladentisch gehen. Der (bis zu) Achtsitzer mit (bis zu) 90 Kilowattstunden Batterie und 150 kW Leistung schafft ebenso gut 400 Kilometer Strecke am Stück, bevor er mit 11 kW AC oder bis zu 110 kW DC wieder mit Energie versorgt werden muss. Es gibt vier Varianten in drei Längen, der Einstieg liegt bei 45.410 Euro.

Mercedes eVito Tourer

Nissan eNV Kombi

Der neue eNV 200 Kombi richtet sich an Gewerbetreibende, die oft Personen befördern. Im Vergleich zum Evalia kostet der neue Kombi fast 1.500 Euro weniger, ab 35.098 Euro.

Er ist ganz auf Effizienz getrimmt und mit robusteren Materialien ausgestattet. Fünf oder sieben Sitzplätze sind geboten, der Motor leistet 80 kW, die Batterie fasst 40 kWh, so sind etwa 250 Kilometer Fahrt, ohne zu laden, möglich. Die Aufladung erfolgt mit bis zu 50 kW an CHAdeMO-Ladestationen, an der heimischen Wallbox erfolgt es mit bis zu 7,4 kW, wenn ein Typ 1 Anschluss vorhanden ist.

Nissan eNV 200 Kombi

Erwähnenswert scheint noch, auf zwei bzw. drei Plug-In Hybridfahrzeuge, nämlich die seriell angetriebenen Ford Modelle Tourneo PHEV und Transit PHEV, beide arbeiten mit einer 13, 6 kWh Batterie und schaffen rund 40 Kilometer rein elektrisch, bis der ein Liter-Verbrenner anspringt und die Batterie, und gegebenenfalls auch den Motor mit Energie beliefert, sowie das vom altbekannten London Taxi Cab abgeleitete LEVC Modell, das es als Personentransporter https://www.touremo-mag.com/2019/02/12/clever-shuttle-stellt-die-neuen-elektrischen-london-cabs-in-deutschen-staedten-in-dienst/ wie auch als Transporter gibt.

Ford Tourneo Custom PHEV

Förderungen

Alle hier vorgestellten Fahrzeuge sind förderfähig, der E-Ducato steht allerdings noch nicht in der aktuellen BAFA-Liste der förderfähigen E-Fahrzeuge. Die Förderbeträge bestehen aus dem staatlichen Anteil, also höchstens 6.000 Euro pro Fahrzeug und einem Anteil, den der Hersteller/Importeur trägt, und die unterscheiden sich durchaus.

Text: Werner Köstle
Bilder: Hersteller, electrive.net, Ole Bunger, pixoleb.com

 

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