Opel Mokka-e – ein Stromer für Herz und Verstand

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Opel Mokka-e

Einen ersten Eindruck vom elektrischen Kompakt-SUV der Rüsselsheimer konnten wir bereits im letzten September gewinnen. Nun hatten wir Gelegenheit, den Mokka-e zu fahren. Unsere Prognose: der Neuling wird ein Bestseller

Die – mit Recht – stolzen Opel-Designer scheuen sich nicht, das reichlich abgenutzte Bild vom leeren Blatt Papier zu bemühen, auf dem die ersten Entwürfe skizziert wurden,  um zu verdeutlichen, wie neu die zweite Generation des Erfolgsmodells Mokka von Grund auf entwickelt wurde.

Ein echter Hingucker

Der Neue gibt mit seiner auf- und gefälligen Metallic-Lackierung in „Matcha-Grün“, seinen ausgewogenen Proportionen, den kurzen Überhängen und dem markanten, neuen Markengesicht „Vizor“ auf der Präsentationsbühne eine richtig gute Figur ab. Dass er auch in „freier Wildbahn“ ein echter Eyecatcher ist, belegen die vielen Blicke von Passanten, die unser Testfahrzeug auf sich zog.  Was alles zum ausgesprochen gelungenen Äußeren des kompakten Fünfsitzers beiträgt, wurde uns detailliert erläutert. Belassen wir es an dieser Stelle bei einem pauschalen Lob an Opels Designabteilung und bescheinigen ihr, einen richtig guten Job gemacht zu haben. Auch wenn das äußere Erscheinungsbild durchaus kraftvoll wirkt, so bleibt die Designsprache doch reduziert und klar, vermeidet jede Verspieltheit oder gar Protzerei. Der neue, attraktive Mokka könnte durchaus eine designorientierte Klientel ansprechen, die sich bisher eher nicht der Opelkundschaft zurechnen ließ.

Die moderne, klare Designsprache drückt sich auch im Heck aus.

Gelungene Abspeckkur

Kaum zu glauben zu Zeiten, in denen Modelle in der Regel immer größer ausfallen als ihre Vorgänger: Der neue Mokka schrumpfte im Vergleich zum bisherigen Modell um 125 Millimeter in der Länge, in der Höhe um 124 Millimeter. Nur in der Breite legte er um zehn Millimeter zu, auch der Radstand verlängerte sich – um ganze zwei Millimeter. Trotz der etwas kompakteren Maße bietet das B-Segment SUV ausreichend Platz für 5 Passagiere, auch wenn überdurchschnittlich große Mitfahrer im Fond wohl etwas beengter sitzen dürften. Die im Fahrzeugboden untergebrachten Batterien des Elektromodells haben dank des marken- und antriebsvarianten-übergreifenden CMP-Baukastens keinen Einfluss auf den Sitzkomfort und auch der Laderaum besitzt wie bei den verbrennungsmotorischen Versionen ein Volumen von 350/1105 Litern.

Der elektrische Mokka bietet den gleichen Laderaum wie die Verbrenner-Versionen

Auch gelang es durch extremen Leichtbau, bei gleichzeitiger Erhöhung der Karosseriesteifigkeit, das Fahrzeuggewicht um stattliche 120 kg zu reduzieren, was dazu beiträgt, das batteriebedingte Mehrgewicht der Stromer-Variante von ca. 300 Kilogramm fast zur Hälfte zu kompensieren.

Bedienfreundlicher Instrumentenmix

Auch im Innenraum zeigt sich die Ambition der Entwickler nach Klarheit und intuitiver Bedienbarkeit der Instrumente. Das horizontal angeordnete, leicht zum Fahrer hin gewölbte „Pure Panel“ bestehend aus zwei Touch-Screens mit 12 bzw. 10 Zoll ist übersichtlich gegliedert und mit seinen großen Icons intuitiv bedienbar. Apropos Bedienfreundlichkeit: man kann die Opelianer nicht genug dafür loben, der Versuchung nach Totaldigitalisierung widerstanden zu haben. Das Ergebnis ihrer digitalen „Entschlackung“ zeigt sich im Verzicht auf überfrachtete und allzu komplexe Menüführungen, aber auch darin, dass manche Funktionen wie Heizungs- und Lautstärkeregelung immer noch über Bedientasten eingestellt werden können. Ergonomischer und speziell bei höheren Geschwindigkeiten deutlich verkehrssicherer. Übrigens: eine Kundenbefragung von Opel dokumentierte den expliziten Wunsch nach einem vernünftigen Mix aus digitalen und herkömmlichen Instrumenten. Schön, dass die Kundenwünsche – so gelungen – berücksichtigt wurden.

Das „Pure Panel“ mit zwei Widescreen-Displays ist klar gestaltet und intuitiv zu bedienen

Vernünftiges Elektro-Paket

Der neue elektrische Mokka weckt positive Emotionen, überzeugt jedoch auch mit vernünftigen und praktikablen Lösungen. Dazu gehört auch, dass wie schon beim Corsa-e eine ausreichende, jedoch nicht übermäßig starke Motorisierung mit 100kW/136 PS gewählt wurde. Genug, um bei einem maximalen Drehmoment von 260 Newtonmetern die stromer-typisch hohen Beschleunigungswerte aus dem Stand abzurufen. Zumal im Sport-Modus, der neben dem Normal- und dem Eco-Modus bequem über einen Schalter in der Mittelkonsole eingestellt werden kann. Auch was die Batteriekapazität mit 50 kWh angeht, bewegt man sich auf dem Niveau des Corsa-e und damit auf einem ökologisch verträglicheren Mittelweg als mancher Mitbewerber, der möglichst hohe Reichweiten anstrebt, dabei aber die Umweltbilanz seiner Stromer durch größere Akkupakete verschlechtert. Wir gehen davon aus, dass die vom Hersteller auf Basis des inzwischen gängigen WLTP-Zyklus ermittelte Reichweite von maximal 324 Kilometern nicht allzu weit von der realen Praxis abweicht. Zumindest bei wärmeren Temperaturen, etwas gemäßigter Fahrweise und im Eco-Modus dürften 300 Kilometer allemal drin sein. Auf längeren Strecken können sich E-Driver dank der Fähigkeit des Mokka-e, mit 100 KW Gleichstrom zu laden, zwischendurch in ca. 12 Minuten 100 Kilometer an Reichweite einverleiben. Wer einen Zwischenstopp von einer halben Stunde einlegt, kann in dieser Zeit den Akku immerhin zu 80 Prozent laden.

Insgesamt gibt es so gut wie nichts zu mäkeln an der Technikkonfiguration des zweiten Opelstromers der Neuzeit. Allenfalls wünschte man sich, zwischen mehr als nur der einen, allerdings einstellbaren, Rekuperationsstufe wählen zu können.

Hoher Komfort

Auf der Testroute mit Autobahnabschnitten und innerstädtischen Passagen zeigte der neue Vollstromer ein stets souveränes Fahrverhalten. Der Mokka-e liegt satt auf der Straße, federt Fahrbahnunebenheiten locker weg und bleibt auch in schnellen Kurven absolut spurtreu. Die elektrisch unterstütze Lenkung ist ausgesprochen leichtgängig, wirkt dabei jedoch nicht schwammig. Angesichts der angenehmen Stille durch den Wegfall des Verbrennungsmotor-Sounds schätzen FahrerInnen eines E-Modells die Ruhe, wenn dabei noch das Niveau der Fahrgeräusche möglichst gering ist. So wie beim Mokka-e, wozu u.a. die Verringerung des cw-Wertes auf 0,32 (Vorgänger 0,35) beiträgt. So gelang es, das Geräuschniveau bei Tempo 130 km/h um 16% im Vergleich zum Vorgängermodell zu senken.

Zum Komfort und zur Sicherheit tragen auch die insgesamt 16 verfügbaren Assistenzsysteme ihren Teil bei. Das Portfolio umfasst u.a. einen Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung, einen aktiven Spurhaltea

ssistenten, einen automatischen Parkassistenten, sowie den Toter-Winkel-Warner und eine Rückfahrkamera.

Auch in der Seitenansicht macht der Mokka-e mit seinen kurzen Überhängen eine gute Figur

Fazit

Mit dem neuen Mokka präsentiert Opel ein optisch gelungenes, attraktives Fahrzeug im stark wachsenden Segment der Kompakt-SUV. Bereits sein Vorgänger gehörte mit über einer Million verkauften Exemplaren zu den Erfolgsmodellen der Rüsselsheimer, so dass dem von Grund auf erneuerten und verbesserten Mokka erst recht glänzende Zeiten bevorstehen dürften. Dies gilt insbesondere für das Elektromodell, das sich bei einem Preis ab 24 540 Euro nach Abzug der Umweltprämie wohl zu einem Bestseller entwickeln wird. Zumindest theoretisch, denn schon jetzt sind einzelne Konfigurationen in diesem Jahr nicht mehr verfügbar und manche Kunden werden deshalb bis 2022 warten müssen. Offenbar wurde die Nachfrage nach dem Crossover-Stromer unterschätzt, dabei hätten die Erfahrungen mit dem Corsa-e für eine Anhebung der Verkaufsprognosen sorgen können. Schließlich wählte fast jeder dritte Privatkunde des Kleinwagens bereits die elektrische Variante. Wer bereit ist, beim einen oder anderen Sonderwunsch Abstriche zu machen, wird sicher noch einen in 2021 lieferfähigen Händler ausfindig machen. Zuletzt ließ Opel gar verlautbaren, jeder Kunde, der jetzt bestellt, könne seinen Wagen noch in diesem Jahr in Empfang nehmen.

www.opel.de

Text: Peter Grett

Bilder: Opel

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